Nachdem ich bereits einige Blog-Artikel über Lego Mindstorms verfasst habe (ok, es waren nur 2) ist ein wenig Ruhe eingekehrt und ich habe mich eher passiv mit dem Roboterkit aus Dänemark beschäftigt. Das bedeutet, ich habe weniger mit Mindstorms gespielt, als vielmehr mir Anregungen in der Industrie geholt, um das Thema Roboter auf einer abstrakteren Ebene behandeln zu können. Und diese Strategie hat sich ausgezahlt, wie ich im Folgenden zu zeigen versuche.
Inhalt
- * 1: Pick and Place
- * 2: Fehlschläge in der Robotik
- * 2.1: Mobile Roboter als Fanatismus
- * 2.2: Bricklayer Robot
- * 2.3: Hardware vs. Software
- * 3: Tiere als Vorbild
- * 4: Pessimismus ohne Grenzen
- * 5: Mindstorms lernen
- * 6: Der kulturelle Leistungsbegriff
- * 7: Literatur
Die Literatur zu Mindstorms (damit ich meine die reich bebilderten englischen Standardwerke) dreht sich überwiegend um den Bau von Robotern, und dabei speziell um tierförmige Roboter. Der Baukasten wird also dafür verwendet, Hornissen, Ameisen oder Spinnen nachzubauen. Damit orientieren sich die Autoren an der Biomechanik, also der Adaption natürlicher Verhaltensweisen durch Technologie. Das Ziel dürfte wohl darin bestehen, ein bisschen was mit KI zu machen.
Meiner Ansicht führt dieser Ansatz in die falsche Richtung. Warum? Weil damit hauptsächlich das literarische Vorbild des Roboters befriedigt wird, nicht jedoch das technisch machbare. Der Ansatz des humanoiden oder tierischen Roboters führt nur zu Robotoerhunden wie Aibo oder zu Laufrobotern wie Asimo von Honda, was auch in klein auf der Mindstorms-Verpackung abgebildet ist. Sowas macht sich vielleicht gut als Kinderspiel, für ernsthafte industrielle Anwendungen ist dieses Konstruktionsprinzip jedoch nicht zu gebrauchen.
Die technische Variante eines Vogels (der Düsenjet) schlägt ja auch nicht mit den Flügeln, sondern bewegt sich vollkommen anders durch die Luft. Dadurch ist er seinem biologischen Vorbild haushoch überlegen. Der schnellste Vogel der Welt, der Wanderfalke, kommt auf eine Maximalgeschwindigkeit von lediglich 300 km/h [1], das schnellste Flugzeug hingegen, die X-43 A erreichte im Jahr 2004 beachtliche 9,6 fache Schallgeschwindigkeit [2]. Das Ziel dürfte also sein, Maschinen zu bauen, die besser als Tiere sind.
Auch ich habe ein bisschen recherchiert und fand die am weitesten fortschrittliche Maschine, welche derzeit in der Industrie eingesetzt wird, unter dem Namen „Bestückungsmachine“. Sie dient dazu, SMD-Platinen mit Bauteilen auszustatten. D.h. aus vielen kleinen Einzelteilen baut so ein Gerät ein fertiges Motherboard, was wiederum jedes Gamer-Herz höher schlagen lässt. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung erfolgt die Produktion von Motherboards inzwischen in menschenleeren Fabriken, d.h. menschliche Arbeit ist dafür keine mehr nötig. Und so ein Bestückungsautomat hat keinerlei Ähnlichkeit mit einem Androiden aus Star Trek sondern viel eher mit einem übergroßen Drucker. Es ist im Grunde ein Plotter, der einen Bestückkopf besitzt, um Bauteile anzusaugen und kontrolliert abzusetzen. Mit diesem Aufbau kann man eine effiziente Produktion durchführen. Wenn alles reibungslos klappt, kommen die fertigen Platinen wie aus einer Druckerpresse im Sekundentakt aus der Fertigungsstraße.
Kurzum, klassische Roboter haben sich in der Elektronikfertigung nicht bewährt. Frei gelagerte Gelenke, die Ähnlichkeiten mit einer Armprothese haben, sind viel zu ungenau, um damit maximalen Output zu erzeugen. Mit plotterähnlichen Gerätschaften kann hingegen eine viel höhere Leistung erreicht werden.
* 1: Pick and Place
Die wahrscheinlich am weitesten entwickelten Automaten heißen Pick and Place Bestückungsautomaten. Das sind Geräte, die Kleinteile aus einer Zuführung (Feeder) aufnehmen und auf einer Hauptplatine montieren. Im einfachsten Fall besteht die Zuführung aus getrennten Kammern: in Feeder 1 sind die CPUs, in Feeder 2 die Dioden und in Feeder 3 die Etiketten.
Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, gibt es Pick and Place Automaten, die sogar Schüttgut als Input verarbeiten können. Hierbei sind alle Kleinteile in einer großen Spielzeugkiste bunt gemischt durcheinandergewürfelt. Der Automat muss zunächst mittels Kamera erst mal das richtige Teil ausfindig machen. Auch hier gilt: Wenn die Maschine fehlerfrei arbeitet, ist sie weitaus schneller als ein Mensch. Sie übertrifft menschliche Intelligenz und menschliche Fingerfertigkeit bei weitem.
Es mag vielleicht ganz nett sein, einen humanoiden oder tierähnlichen Roboter zu besitzen (bzw. so einen aus Mindstorms nachzubauen). Der könnte dann ein Spielkamerad sein … Aber effizient ist sowas nicht gerade. Besser man versucht gar nicht erst, menschenähnliche Roboter nachzubauen sondern orientiert sich am bewährten Plotterdesign: d.h. eine X-Schiene und eine Y-Schiene. Dann noch ein Multifunktionskopf darauf befestigt und schon ist die Universalbestückungsmaschine fertig. Diesem Gerät kann man dann lustige Tiernamen verpassen. Einige Pick&Place Systeme aus der Industrie heißen tatsächlich Chicken, Skorpion, Tiger oder Cobra. Obwohl sie überhaupt nicht so aussehen wie ein Huhn, sondern eher dessen Funktion imitieren bzw. übertreffen.
Unter dem Stichwort „Mindstorms Gantry Robot“ gibt es bei Youtube eine Vielzahl von Beispielen für effiziente Maschinen. Meist sehen die Aufbauten wenig spektakulär aus, ist doch eine Achsensteuerung die einfachste Möglichkeit einen Punkt in den Raumkoordinaten anzusteuern. Man darf sich aber davon nicht täuschen lassen. In der Industrie sind es gerade diese Maschinen, die richtig viel wegarbeiten können. Da geht es nicht um irgendwelche KI-Scheiße (Motto „Hilfe, mein Roboter hat ein eigenes Bewusstsein und kann denken“), sondern es geht einfach nur darum, pro Stunde 100 Bauteile an die richtige Stelle zu befördern, um ein Produkt zu fertigen. Deshalb glaube ich, dass der Portalroboter die bessere Ausgangsbasis ist, um mit Lego Mindstorms eigene Experimente anzustellen.
Kombiniert man einen Portalroboter mit einem Förderband, erhält man eine schicke kleine Produktionsstraße um alles Mögliche zu bestücken: Pralinen in Schachteln verpacken, Etiketten auf Kartons kleben oder Zigarren in Schachteln stecken.
* 2: Fehlschläge in der Robotik
Im Jahr 1774 stellten die Uhrmacher Jaquet-Droz ihren schreibenden Androiden vor. Dieser war einem Menschen nachempfunden und sah aus wie eine Puppe (sogar mit Gesicht und Lippenstift). Der Androide konnte einen Federkelch in Tinte tauchen und damit etwas aufschreiben. Das mag vielleicht ganz amüsant gewesen sein, für die Robotik war es jedoch ein Rückschlag. Heute (einige Jahrhunderte später) wissen wir auch warum. Sogenannte Schreibroboter sehen keineswegs so aus wie die Jaquet-Droz Androiden, sondern sie sind die Weiterentwicklung der Druckerpresse. Das Designprinzip ist eben nicht dem Menschen nachempfunden, sondern so ein moderner Matrixdrucker arbeitet mit einem beweglichen Schlitten und einer Walze. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, einem Nadeldrucker ein Gesicht anmalen zu wollen. Und trotzdem ähnelt er funktionell einem Schreiber: Man kann mit Druckern in sehr kurzer Zeit komplette Bücher erstellen.
Selbst mit moderner Technologie dürfte es schwierig sein, einen Schreib-Androiden zu bauen. Theoretisch wäre dies als Prinzip vielleicht denkbar. Praxistauglich wären diese Geräte nicht. Jeder Noname Tintenstrahldrucker schafft bessere Resultate, als eine Maschine, die einer menschlichen Hand nachempfunden ist. Kurzum: Die Natur ist ein schlechtes Vorbild für leistungsfähige / denkende Maschinen.
All die Androiden, Schreitroboter und Insektoiden aus Star Wars, Terminator oder Star Trek sehen zwar toll aus, und manche finden es cool mit Battletech-Maschinen rumzulaufen, aber sie sind nur deswegen so interessant, weil sie eine alternative Welt darstellen. Terminator ist nicht die Zukunft der Robotik, sondern eine Alternativwelt. In dieser sehen die Maschinen wie menschliche Skelette aus und dürften energietechnisch ein ähnlicher Fehlschlag sein wie die Jaquet-Droz Droiden. In der Welt von Terminator II braucht man keine Angst mehr vor den Robotern zu haben, weil sie bauartbedingt sehr ineffizient arbeiten. Wie schnell kann sich denn ein funktionsfähiger Mecha über das Schlachtfeld bewegen? Vielleicht 10 km/h? Richtige Kriegsmaschinen sind das nicht, denn diese hätten Panzerketten und Räder. Diese Antriebsarten sind wesentlich leistungsfähiger als irgendwelche mechanischen Beine.
Man darf sich in den Maschinen nicht täuschen: sie sehen vielleicht anders aus als wir Menschen, erfüllen aber die gleichen Funktionen. Nur weil ein Tintenstrahldrucker keine Arme hat, heißt das nicht, dass er niemanden wegrationalisieren könnte. Und nur weil eine Taktstraße keine Hände hat, heißt das nicht, dass sie ungeschickt wäre.
* 2.1: Mobile Roboter als Fanatismus
Die Avantgarde der Mindstorms Community dürften wohl die internationalen Wettbewerbe sein. First Lego League und andere sportliche Herausforderungen sollen vor allem Jugendliche zu Höchstleistungen im Roboterbau motivieren. Bemerkenswerterweise gehen die Juroren immer davon aus, dass die gestellten Aufgaben mittels mobiler Roboter gelöst werden. D.h. ein autoähnliches Fahrzeug, das sich auf einem Spielfeld programmgesteuert bewegt. Diese Ideologie, ich würde sie im Folgenden als Fanatismus bezeichnen wollen, geht soweit, dass mobile Roboter sogar dort eingesetzt werden, wo sie eigentlich nur die zweitbeste Lösung für ein Problem sind. Zum Beispiel findet sich im Regelwerk [6] auf Seite 12 die Aufgabenstellung, einen Bestückungsroboter zu bauen. Dieser soll über ein Spielfeld fahren und dort verschiedene Gegenstände wie Dioden oder Widerstand entsprechend den abgebildeten Symbolen ablegen. D.h. die Aufgabenstellung ist eine typische Pick&Place Aufgabe.
Bemerkenswerterweise kommt dieses Problem in der Industrie sehr häufig vor und wird dort ausnahmslos nicht mit mobilen Robotern, sondern mit plotterähnlichen Bestückungsautomaten erledigt. Das hat Gründe. Warum werden die Nachwuchsroboterbauer gezwungen, eine gänzlich andere Lösung zu erfinden? Ich habe mal ein wenig weiter recherchiert und konnte im gesamten First Lego League Universum keine einzige Aufgabe finden, die mittels Portalroboter (also Plotterkonstruktionen) gelöst wurde. Obwohl die meisten Aufgaben dazu geradezu prädestiniert währen. Es gibt dafür zwei mögliche Erklärungen:
- Portalroboter (auch als stationäre Automaten bekannt) sind nicht so leistungsfähig. Dann wäre fast die gesamte Elektronikproduktion im Grunde in einer Sackgasse.
- Oder aber, und das halte ich für die richtige Erklärung, bei den Mindstorms-Wettbewerben sitzen in der Jury nur ein Haufen Vollidioten, die man mit Spielzeugautos, krabbelnden Spinnen oder anderen beweglichen Gedöns mehr beeindrucken kann, als mit funktionierender Technik.
Offenbar werden Plotter gemeinhin nicht als Roboter angesehen, und schon gar nicht als intelligente Maschinen. So werden in der Künstlichen Intelligenz ausnahmslos bewegliche Greifarme oder autonome Fahrzeuge betrachtet, aber keine Portalkräne.
* 2.2: Bricklayer Robot
Die vielleicht schönste Anwendungsaufgabe für einen vollautomatischen Roboter dürfte wohl das Mauern sein, oder wie es im englischen heißt, „bricklayer robot“. Nicht dass ich unbedingt ein Fan der angloamerikanischen Ausdrucksweise wäre, jedoch findet sich so auf Youtube leichter der passende Lehrfilm. Und tatsächlich auf http://www.youtube.com/watch?v=dOlOMYmpcE4 wird man fündig. Es ist ein kleines Mondfahrzeug mit 4 Rädern zu sehen, das über ein aufmontierten Greifarm verfügt. Zuerst nimmt der Roboter einen handelsüblichen Mauerstein auf und fährt damit dann zum Einsatzort um ihn passend abzusetzen.
Das Ganze sieht noch etwas hackelig aus, und soll wohl ein Forschungsprojekt sein. Motto: Wenn das Mal eines Tages serienreif ist, wird das die Bauindustrie revolutionieren. (Eben der ganze Quatsch von der Künstlichen Intelligenz).
Ich erwähne den automatischen Maurer explizit im Kapitel „Fehlschläge in der Robotik“, weil auch dieses Modell ein Irrweg ist. So wird ganz sicher kein Mauer-Roboter arbeiten. Das fängt schon damit an, dass das Mondauto vermutlich über eine Elektrobatterie angetrieben wird, die gerade mal so lange Saft hatte, wie das Youtube-Video lang war (exakt 3 Minuten). Außerdem muss das Auto eine komplexe Navigation beherrschen, um zwischen den Steinen und der hochzuziehenden Mauer zu navigieren. Insgesamt erinnert das doch arg an ein Technikspielzeug ohne praktischen Wert.
Meiner Ansicht nach gibt es für das Problem „Mauern“ nur eine sinnvolle Lösung. Und zwar braucht man zwingend einen Flächenportalroboter. Das heißt, die Maschine schwebt quasi über der Baustelle und kann jeden Ort mittels der Achsen ansteuern. Die Energieversorgung wäre so sichergestellt und kompliziertes Navigieren zwischen Hindernissen wird unnötig. Die Lösung wäre im Grunde eine überdimensionale Bestückungsmaschine, die ein Mauerwerk drucken kann.
Warum an sowas nicht geforscht wird, dürfte damit zusammenhängen, dass so ein Portalroboter nicht unbedingt als Künstliche Intelligenz angesehen wird, sondern eher als Werkzeug …
Weil auf Baustellen oftmals große Entfernungen zu überbrücken sind, empfiehlt sich der Einsatz eines Kabelkran-Roboters (cable crane robot for bricklaying).
* 2.3: Hardware vs. Software
Ich bin aufgewachsen mit dem Paradigma, dass Künstliche Intelligenz ein reines Softwareproblem sei. Das Gefährt, auf dem die intelligenten Programme dann laufen würden, wäre schon vorhanden es müsse eben nur richtig programmiert werden. Meist beginnt KI dann auch mit einem Greifarm oder einem Elektroauto, dass jetzt bitteschön intelligent gemacht werden solle.
Die Wahrheit ist freilich die, dass meist die Hardware das einzige Problem war und die Software nebenbei entsteht. Wer schon mit irgendwelchen SKARA-Systemen (Greifarm) anfängt, wird niemals auf gescheite Software zu sprechen kommen. Denn die grundsätzliche Designentscheidung war bereits ein Fehler.
Als Beispiel dafür, wie wichtig die Hardware ist, soll mal ein handelsüblicher Drucker herhalten. Dieser hat die Aufgabe, eine Seite Papier mit Buchstaben zu versehen und das ganze in möglichst hoher Geschwindigkeit. Die dafür nötige Technologie (z.B. Nadeldruck, Laser oder Tintenstrahl) wird ausschließlich über die Hardware definiert. Die Software zum Betrieb des Gerätes bleibt unverändert (Postscript + Hardwaredruckertreiber). Kein ernsthafter Wissenschaftler käme auf die absurde Idee, für einen Drucker eine Künstliche Intelligenz zu entwerfen. Was sollte so ein Programm auch mehr können, als es bisherige Drucker auch können? Den Druckkopf hin- und herbewegen oder vielleicht den Seitenvorschub? Lachhaft, dafür braucht es keine KI, sondern ein guter Druckertreiber. Ich will damit ausdrücken, dass moderne Office-Drucker bereits Advanced Technology sind und nicht erst in Zukunft über KI leistungsfähiger gemacht werden zu brauchen.
Stattdessen ist es so, dass Künstliche Intelligenz soetwas wie eine Alternativ-Welt-Erzählung darstellt. Ein Drucker mit eingebauter KI erledigt vermutlich die gestellte Aufgabe (eine Seite vollschreiben) auf gänzlich andere Art und Weise, und zwar so dass es irgendwie cool aussieht, sich aber wegen mangelnder Effizienz nicht durchgesetzt hat. Eben ein Steam-Punk Drucker oder ein Battletech-Drucker. Vorstellbar wäre z.B. ein komplizierter Greifarm anstatt eines Druckkopfes. Sowas könnte man gut in einen Fantasy-Roman einbauen.
Ich greife das Beispiel eines Druckers mit Bedacht auf, weil es dafür heutzutage sehr gute Lösungen gibt, die sich in jedem Haushalt durchgesetzt haben. Es ist deswegen keine KI, weil KI eben das ist, was sich nicht durchgesetzt hat. Also Zahnradkonstruktionen, dampfgetriebene Lochkartendrucker oder Mecha-Roboter die auf Grundlage von freier Energie sich fortbewegen. KI ist ein anderes Wort dafür, „wir bauen ineffiziente Maschine mit künstlerischem Anspruch“. Und deswegen wird KI immer nur ein Schattendasein führen. Diese „Wissenschaft“ ist von vornherein auf Alternativwelt ausgelegt, strebt also eine technisch sinnvolle Lösung überhaupt nicht an.
Was sind denn die Versprechungen von Künstlicher Intelligenz? Meist geht es darum, irgendwelche Arbeiten durch Maschinen erledigen zu lassen. Angefangen vom Sehen, weiter über das Bauen, dann Fahren, Einpacken, Auspacken, Bestücken, Kühe melken. Schlichtweg eigentlich alles, was heute noch der Mensch macht sollen eines Tages Roboter übernehmen. Die Wirklichkeit sieht so aus, dass es für all diese Aufgaben längst technisch anspruchsvolle Lösungen existieren. Diese Geräte heißen nicht unbedingt Roboter, sondern sind meist einfach nur Werkzeuge, Fließbänder oder Fräsmaschinen — erfüllen aber die o.g. Aufgaben besser als es ein Mensch je könnte. Versuchen sie doch mal einen Wettbewerb gegen eine Maschine zu gewinnen bei der Aufgabe „Brot schneiden“. Es tritt an: einmal der Mensch mit einem Brotschneidemesser, gegen eine Brotschneidemaschine. Die Aufgabe lautet, wer in kürzerer Zeit die besseren Brotscheiben erstellt. Gewonnen hat natürlich die Maschine. Vermutlich deshalb, weil in so einer Brotschneidemaschine keinerlei KI verbaut worden ist …
Eine KI-basierte Brotschneidemaschine wäre nach meiner Definition wesentlich langsamer als der Mensch. Und sie würde auch nur suboptimal arbeiten, beispielsweise über komplizierte Hebelmechanik um so eine Alternative zur rotierenden Säge vorweisen zu können. Und vermutlich wäre die Software in LISP programmiert mit irgendwelchen genetischen Algorithmen, wodurch so ein Apparat bei jeder Benutzung ein bisschen besser wird. Im Grunde ist das alles jedoch nur ein Haufen Quatsch und ist einer ernsthaften Wissenschaft unwürdig.
* 3: Tiere als Vorbild
Warum in der Roboterforschung oftmals Tiere oder gar der Mensch als Vorbild genommen werden, hat etwas mit christlichen Glauben zu tun, wonach die Natur bzw. Gott die besten Lösungen findet. Der Mensch als Gottes Ebenbild ist demnach perfekt. Dies kann man getrost als Dummheit von ungebildeten Bauern bezeichnen und ist für eine ernsthafte Wissenschaft unwürdig.
Schauen wir uns dochmal die armseligen Geschöpfe an, die die Natur hervorgebracht hat. Da fällt mir natürlich der Hai ein, als König der Fische. Der Hai gehört zur Gruppe der Raubfische und ernährt sich ausschließlich von anderen Fischen, die er zunächst fangen muss. Durch seinen Killerinstinkt ist er optimal an den natürlichen Lebensraum, das Meer angepasst. Soweit zumindest die sehr beschönigende Darstellung aus dem Biologieunterricht. Und wie viel Fische kann so ein Hai pro Tag fangen? Zwanzig / Dreißig? Keine Ahnung, jedenfalls nicht sehr viel. Mit einem altmodischen Fischkutter und einem ordentlichen Treibnetz kann man wesentlich mehr Fische fangen, als es ein Hai je könnte.
Es macht schlichtweg keinen Sinn, den Hai als Vorbild zu nehmen um einen Roboterfisch zu konstruieren der Fische fängt. Das ist vielleicht machbar aber unsinnig. Man könnte auch sagen: Ein Hai hat schlichtweg keine Ahnung vom Fischfang, sonst würde er es ähnlich machen wie die Profis: ein engmaschiges Netz am Meeresgrund ausbreiten und dann zusammenziehen. So aber sind Haie nichts weiter als blutjunge Anfänger, die vielleicht mit viel Hingabe an ihre Lebensaufgabe den einen oder anderen Fang machen, aber niemals zu Höherem imstande sind.
Auch an Land sieht es nicht viel besser aus mit der Evolution. Angeblich ist dort der Löwe der König der Tiere. Dieser ernährt sich von kleineren Tieren wie beispielsweise Mini-Zebras oder Antilopenbabys. Auch der Löwe wird gemeinhin als perfekt an seinen Lebensraum angepasst beschrieben. Seine Fähigkeiten zum Anpirschen und zum Erlegen der Beute gelten als unübertroffen. Aber was ist ein Löwe im Vergleich zu einer ordentlichen gusseiserne Falle mit einem Köder? So eine Falle ist wegen der qualvollen Schmerzen, die sie bereitet vermutlich in Deutschland illegal, aber das ändert, nichts an ihrer Wirksamkeit. Wenn man zwei Dutzend von Großwildfallen in der Savanne aufstellt, hat man in kürzester fast alles erlegt, was vier Beine hat. Die Bilanz gegenüber den Jagdqualitäten eines Löwen ist überwältigend eindeutig: Die gusseiserne Falle hat klar gewonnen. Sie kann wesentlich mehr Wild in kürzerer Zeit erlegen, als es ein ach so angepasster Löwe je zu träumen vermag. Kurzum: Ein Löwe hat keine Ahnung von der Jagd und Gott war vermutlich ein lausiger Schöpfer, als er solche Trottel ersonnen haben mag.
Emotional anstrengend war es für mich, die Youtube-Resultate zu der Suche „meat roboter“ auszuwerten. Meat heißt auf Englisch Fleisch und meint vollautomatische Maschinen, um beispielsweise bei Schweinen die Hufe abzuschneiden. Der Produktionsprozess erfolgt auch hier äußerst effizient und man könnte sagen, dass so ein FANUC oder KUKA Modell ziemlich viel Ahnung von aggressivem Vorgehen gegenüber schwächeren Lebewesen besitzt. Im Gegensatz zur manuellen Fleischproduktion erledigen Roboter die gestellten Aufgaben weitaus schneller.
Man sollte sich bewusstmachen, welche verantwortungsvolle Aufgabe so ein Schlachterroboter besitzt. Der hat ein äußerst scharfes Messer zur Verfügung und schnippelt damit an totem Fleisch herum. Wenn so eine Maschine falsch programmiert wird, dann helfe uns Gott …
Interessant ist auch ein Überblick über die gesamte tierische Prozesskette: Zuerst werden durch Futterautomaten die Rinder und Schweine gemästet. Zwischendurch kann die Kuh den Melkroboter aufsuchen. Dann findet die Schlachtung und das Ausweiden statt (ebenfalls vollautomatisch). Und die Verpackung in Supermarkt-taugliche Einheiten übernehmen ebenfalls Maschinen. Theoretisch kann so eine Taktstraße jede beliebige Fleischsorte verarbeiten: Hühner, Rinder, Hunde, Affen, Meerschweinchen usw. Je nach Kundenwunsch …
* 4: Pessimismus ohne Grenzen
Angesichts der bisher angeführten Beispiele bezüglich des (erfolgreichen) Einsatzes von Automaten für die Leiterplattenbestückung oder der Nahrungsproduktion stellt sich natürlich die Frage: Wo bleibt der Mensch? Wenn so eine Rumpelmaschine aus den frühen 1990′er schon 10000 Bauelemente pro Stunde auflöten konnte, dann stellt sich die Frage nach der prinzipiellen Machbarkeit von vollautomatischen Fabriken gar nicht mehr.
Klassischerweise steht ein ganz anderes Problem im Kernpunkt der Betrachtung der künstlichen Intelligenz. Ausgangsbasis ist meist eine arbeitsintensive Fabrik, die mittels Wissenschaft (speziell mittels Computerwissenschaft) verbessert werden soll. Die KI untersucht beispielsweise die Fragestellung, welche Arbeitsabläufe vom Menschen auf die Maschine übertragen werden können, und wo es noch Forschungsbedarf gibt. Scheinbar ist die Fiktion der Abwesenheit von Automaten systembildend für die KI. Dabei ist das Problem der prinzipiellen Automatiserbarkeit von menschlicher Arbeit schon längst gelöst. Ab wann genau, kann ich nicht sagen, aber vermutlich mit Einführung der Mikroelektronik seit Anfang der 1980er wurden die Taktstraßen massiv mittels vollautomatischer Produktionsweise umgebaut.
Heute stellt sich überhaupt nicht mehr die Frage, ob irgendwas automatisiert werden kann, sondern es stellt sich die Frage, was der Mensch in den Fabriken überhaupt noch zu erledigen hat. Was will der Arbeiter in der Fleischfabrik, wenn eine automatische Säge die Schweinehälfte zerteilt? Will der Mensch vielleicht den Aufpasser spielen? Oder ist seine Anwesenheit gar gewerkschaftlich legitimiert?
Inwieweit menschliche Arbeit für die Aufrechterhaltung der Produktion, des Handels oder der Finanzdienstleistungen in der modernen Arbeitsgesellschaft nötig ist, sieht man daran, wenn gestreikt wird. Dann beschließen einige wenige die Arbeit einzustellen und können trotz aller Technologie die Produktion stillstehen lassen. So ein Streik ist immer eine hervorragende Gelegenheit zu erfahren, welche Bereiche der Produktion offensichtlich noch der menschlichen Kontrolle unterliegen und welche eben nicht.
Wie lächerlich ein Streik im Grunde ist, zeigt sich, wenn wir uns eine kleine Mini-Firma vorstellen versuchen. Diese besteht aus einem Laserdrucker und einem menschlichen Bediener. Die Firma erwirtschaftet Gewinn dadurch, dass sie Bücher auf dem Laserdrucker ausdruckt. Wenn alles reibungslos funktioniert, dann schafft der Laserprinter pro Minute ca. 10 Seiten A4 auszudrucken. Natürlich nur solange, wie genügend Papier im Schacht ist, der Toner ausreichend gefüllt ist und kein Defekt vorliegt. Angenommen, der menschliche Bediener kommt jetzt auf die absurde Idee, er würde nicht ausreichend entlohnt und boykottiert die Firma durch Arbeitsniederlegung. Der Papierschacht hat nur einen kleinen Puffer, dann ist er leer. Und ohne Nachschub bleibt der Drucker stehen.
Nun stellt sich natürlich die Frage: Wer trägt die meiste Arbeitslast in der Firma? Ist der Automat oder der Mensch entbehrlich? Ich würde sagen, im Zweifel ist natürlich der Mensch entbehrlich. Weil es vorstellbar wäre, eine Maschine zu konstruieren, die auch alleine den Papiernachschub organisiert. Unvorstellbar ist jedoch, dass ein Mensch ohne Maschine pro Minute 10 Blätter bedrucken könnte.
Kurzum, der Arbeitsaufwand um einen Drucker am Laufen zu halten ist verschwindend gering. Heutige Automaten sind so konstruiert, dass sie auch von Hauptschülern bedient werden können. Dazu passt, dass in den meisten Fabriken Frauen an den Bestückungsautomaten eingesetzt werden. Und zwar ausschließlich gering qualifizierte Frauen. In einem Paper über die Elektroindustrie habe ich mal gelesen, dass die durchschnittliche Anlernzeit für einen Arbeitsplatz in der Elektrofertigung bei gerade einmal 6 Monaten liegt. Und das halte ich noch stark für übertrieben. Die meiste Zeit geht vermutlich nicht wegen der technischen Feinheiten drauf, sondern weil die Pausen so stressig sind und das ganze drum herum den Lernfortschritt eher behindert.
Ich will damit sagen, dass Arbeiten und insbesondere die hochproduktive Arbeit eine sehr einfache Sache ist. Man braucht dazu weder Geist noch Muskelkraft. Weil Arbeit überhaupt nicht dem Menschen zu eigen ist, sondern sich ausschließlich in seinen Werkzeugen manifestiert. Mag sein, dass nicht jedermann einen Industrieroboter zu Hause hat, um damit Motherboards für den freien Markt zu fertigen. Aber auch wenn man Arbeit im Lowtech-Bereich betrachtet, ergibt sich ein ähnliches Bild. Die simpelste Form von produktiver Arbeit dürfte wohl die Nahrungsbeschaffung sein. Weil Essen muss jeder … Und dazu eignen sich Tierfallen außerordentlich gut. Es gibt verschiedene Modelle: die einfachste Form für große Tiere ist das Loch. Dann gibt es noch komplexere Formen wie eine Schlinge, das Fangeisen oder den Käfig. Für all die verschiedenen Fallen ist natürlich ein menschlicher Bediener notwendig. Und natürlich muss er in die vorschriftsmäßige Handhabung eingewiesen werden. Allerdings dürften selbst unqualifizierte Fallensteller das Prinzip in kurzer Zeit verstanden haben und können dann bereits produktiv tätig werden.
Weil das Bürgertum so verliebt in permanentes Wachstum ist will ich damit gleich mal den Einstieg wagen. Ausgangspunkt ist natürlich, wie immer, dass man selbst arm, mittellos und mit einem hungrigen Bauch ist. Jetzt heißt es natürlich sparen, sich weiterbilden und versuchen den sozialen Aufstieg hinzubekommen. Das erste Stück Fleisch fängst du natürlich nicht selbst, sondern musst dafür betteln. Frag einfach die Passanten nach einer milden Gabe und mit viel Mühe bekommst du vielleicht einen toten Vogel minderer Qualität. An dieser Stelle kommt gleich die wichtigste bürgerliche Tugend, der Konsumverzicht, ins Spiel und deshalb darfst du den Vogel keineswegs selbst essen sondern verstaust ihn unter deiner Kleidung. Damit gehst du in den Wald und buddelst mit den bloßen Händen eine kleine Fallgrube. Darüber einige Äste verteilt und den toten Vogel obendrauf gelegt. Wenn du jetzt die Nacht abwartest, wirst du am nächsten Morgen in der Grube mit etwas Glück einen verirrten Fuchs finden, der in die Falle getapst ist. Der Fuchs wiederum dient nun als Köder für die nächste Falle, und diesmal kannst du einen ausgewachsenen Bären fangen. Der wiederum dient als Köder für eine Dinosaurierfalle. Und an dieser Stelle muss das ausgebuddelte Loch vermutlich ziemlich groß sein. Und ab jetzt wirst du nie wieder Hunger leiden müssen. Von dem Dinosaurier schneidest du einige Fleischstücken ab, und verteilst diese als Köder an ganz viele Fallen. Du bist jetzt stolzer Besitzer einer Fallenfarm und hast jede Nacht 10 neue Dinos gefangen. Diese kannst du nun am Markt verkaufen und von dem Erlös Arbeiter einstellen, die deine Fallen betreuen. Und so geht die gesunde Geldgier seinen natürlichen Lauf und in sehr kurzer Zeit wirst du zum absoluten Fleischmagnaten aufsteigen.
Um die Fallen noch effizienter zu gestalten, kannst du deine Fallenfarm mit einem großen Zaun umfrieden und die Falle so in einen Brutkasten verwandeln. Du ermunterst die gefangenen Tiere also dazu, sich zu vermehren und züchtest so eine bescheidene Dino-Herde heran.
Persönlichen Anteil an deinem Erfolg hattest du selbst natürlich nicht, sondern es war der Verdienst des Werkzeuges „Falle“, das den märchenhaften Ruhm einbrachte. Solange du nicht vor lauter Eifer die Dinosaurier ausrottest, wirst du nie wieder hungern müssen. So eine Falle funktioniert nach einem verlässlichen Prinzip: In der Dämmerung legst du ein Kadaver als Köder aus, und am nächsten Morgen befindet sich in der Grube ein ausgewachsener T-Rex, den du aus sicherer Distanz töten kannst. Dabei kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Man braucht noch Nichtmal einen Jagdschein oder ein Gewehr dafür. Und wie man aus einem gefangenen Tier einen leckeren Braten zubereitet, brauche ich dir ja nicht zu erläutern. Du schneidest einfach ein großes saftiges Stück Dinosaurierbrust heraus, hälst das über ein Feuerchen und nach einer Weile ist das Stück gar. Als Beilage sind Kartoffeln ganz gut oder vielleicht auch Karotten … Auf alle Fälle war für dieses Festmahl zu keiner Zeit eine Anstrengung oder ernsthafte Arbeit erforderlich. Man muss weder stundenlang durch den Wald jagen, noch muss man eine Wildererschule besucht haben, um sich den Wanzt vollzuschlagen.
Und so wie man Dinosaurier fängt, kann man alle anderen menschlichen Bedürfnisse ebenfalls erfüllen. Den Bau eines Hauses, die Fortbewegung über weite Strecken bis hin zur Fertigung von Versace-Handtaschen. Jedesmal arbeitet nicht der Mensch, sondern die von ihm erdachten Gerätschaften. Sicherlich, man kann die Produktion auch manuell erlegen. Beispielsweise kann man einen T-Rex auch mit einem Speer fangen, man kann ein Haus auch ohne Betonmischer bauen und man kann Lederwaren auch ohne Maschinen fertigen. Nur dauern die nötigen Arbeitsschritte dann um ein vielfaches länger und es ist besonderes Geschick erforderlich. Vielfach wird aus didaktischen Gründen auf die technische Unterstützung komplett verzichtet. Beispielsweise ist es im Christentum sehr verbreitet, den Wert der Arbeit hochzuhalten und deswegen alles mit den eigenen Händen zu erledigen. Das faktisch verfügbare Schlaraffenland passt nicht gut in das Weltbild von verbrämten Gläubigen.
Dieses Weltbild basiert darauf, dass man sich vom Dieb abzugrenzen versucht. Der Fallensteller gilt als Wilderer, der Viehbauer hingegen als ehrlicher Arbeiter. Obwohl beide im Grunde dasselbe tun. Aber dem Fallensteller haftet der Ruf an, er würde an der Natur schmarotzen. Angeblich sei er ein Schmarotzer und schädige den Wald. Das ist natürlich Blödsinn. Vielmehr ist es so, dass ein Viehbauer nur eine höher entwickelte Form des Fallenstellers ist, und nicht etwas gänzlich anderes. Und so ist es auch mit anderen Berufen. Es gibt einerseits natürlich den Handtaschendieb, der Versace Produkte direkt in der Fabrik klaut um sie anschließend auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Diese Handlungsweise wird als unethisch betrachtet. Wenn man hingegen das Klauen professionalisiert wird aus dem Handtaschendieb ein Logistikkonzern, der die Handtaschen im Werk abholt, um sie an den Einzelhandel auszuliefern. Das gilt dann als ehrbarer Handelskaufmann.
Ein Dieb wird manchmal auch als Räuber bezeichnet. Er unterzeichnet sich vom Fallensteller dadurch, dass er dort beginnt, wo das Tier bereits in der Falle ist. Der Räuber klaut das Tier aus dem Käfig und befördert es woanders hin (meist zu einem illegalen Pelzmarkt). Wenn ein Räuber in maritimen Gefilden tätig wird, spricht man auch vom Piraten. Und das organisierte Räubern (also die Logistik) wird als Piratenpartei bezeichnet. Dort schließen sich Kaufleute zusammen, die gutbürgerliche ausüben, sich aber in Bescheidenheit üben und sich selbst als Illegale bezeichnen.
Interessanterweise ist zur Organisation einer Räuberbande das gleiche Know-how erforderlich wie auch bei Transportunternehmen. Man benötigt zum eigentlichen Diebstahl der Tiere aus den Fallen natürlich Werkzeug. Mindestens ein paar gute Handschuhe, damit man sich nicht verletzt und ein Gerät um evtl. Sicherheitsschlösser zu entfernen (einen Schlüssel). Und dann müssen die gestohlenen Tiere auf einen Bollerwagen verladen werden und dieser wird dann durch den Wald gezogen. Für all diese Tätigkeiten braucht es gutes / verlässliches Räuberpersonal. Und dann braucht man natürlich noch eine Straßenkarte um den schnellsten Weg zum Zielort auszukundschaften. Auch vor Wildhütern muss man sich in acht nehmen (dafür braucht man eine Reihe von Kundschaftern). Stellt man das Räuberwesen auf eine professionelle Ebene erhält man eine Post-Mafia, die gefangene Tiere aus Wildfallen klaut um sich an einem geheimen Ort zu sammeln.
Der Ort, wo das Diebesgut verstaut wird, heißt Räuberhöhle. Die Webseite findet sich auf http://www.räuber-höhle.de
Dort finden sich Secondhand-Bekleidung, die fleißige Räuber irgendwo zusammengeklaubt haben.
* 5: Mindstorms lernen
Wenn man als Einsteiger sich das erste Mal einen Lego Baukasten kauft, hat man natürlich bestimmte Erwartungen. Zumindest ich hatte die Befürchtung, wielange die Batterien reichen würden und ob ich nicht gleich auf Akkus umsteigen sollte. In der Praxis erweißt sich die Angst um die Batterielebensdauer als unnötig, da die meiste Spielzeit ohnehin nicht in direkter Interaktion mit dem Gerät drauf geht, sondern im Sichten von Fachliteratur besteht. Klar, ab und an muss man natürlich echte Modelle zusammenbauen und die ein bisschen fahrenlassen. Tatsächlich ist es jedoch so, dass man dabei am wenigsten lernt.
Die meiste Zeit verbringt man also nicht mit dem 8547 Set sondern mit Google und Youtube. Weil es eben mitunter mehrere Stunden dauern kann, bis man ein neues Modell zusammengesteckt hat, will man natürlich möglichst wenig Selbst bauen. Im Netz gibt es schätzungsweise 2000 verschiedene Bauanleitungen, die kann man mit viel Zeitaufwand maximal alle als PDF mal durchblättern aber nicht mit den eigenen Steinen nachbauen.
Im Grunde bedarf es zunächst eines mehrjährigen theoretischen Unterrichts, bevor man mit Mindstorms tatsächlich etwas bauen sollte. Es kann also durchaus sein, dass man im zarten Alter von 10 Jahren so ein Set geschenkt bekommt und erst mit 15 seinen ersten Roboter baut.
Aber ich will Lego nicht schlecht machen, so ein anfassbarer Baukasten ist immernoch besser als gar kein Spielzeug…
* 6: Der kulturelle Leistungsbegriff
Menschliche Leistungskraft wird meist haushoch überschützt. Der Mensch sieht sich als einzigartig und unübertroffen an. Anstatt wirklich seine Arbeit zu bewerten, orientiert er sich an kultureller Tradition und entzieht Leistung so einem objektivem Maßstab. Beispielsweise wird im Comicfilm „Werner beinhart“ die Tätigkeit auf einer Baustelle dargestellt. Zu sehen sind klassische Handwerker, die mit einem Bauhelm auf dem Rohbau herumlaufen um dort zu mauern, Heizungsrohre zu verlegen oder einfach nur in der Pause Skat zu spielen. Auf diese Weise wird ein Märchen über menschliche Arbeitskraft erzählt.
Die Wahrheit ist jedoch, dass Arbeit (insbesondere die auf einer Baustelle) ausschließlich den Naturgesetzen gehorcht und absolut nichts mit Tradition zu tun hat. Und so kommt es auch, dass das Mauern einer Wand keineswegs eine Anlerntätigkeit darstellt, sondern vor allem eine Umwandlung von Energie in Materie ist. Du steckst z.B. 100 Watt in das Heben eines Steines und dafür gelangt der Stein dann von der Schubkarre in die Mauer auf den richtigen Platz. Noch mal steckst du 10 Watt in das Heben der Maurerkeller und wiederum landet der Mörtel an der richtigen Stelle. Die Tätigkeit des Mauerns besteht also darin, Energie möglichst so umzusetzen, dass dabei eine stabile Wohnungswand entsteht. Und mit diesem Energiebegriff sieht die Bilanz eines menschlichen Arbeiters schon wesentlich armseliger aus. Die meisten Handwerker behaupten von sich, sie könnten an einem Tag richtig viel wegschaffen, denn keiner bewertet ihre Leistung. Sie vergleichen sich vielleicht mit ihren Kollegen und sehen, wie schnell doch das Haus wächst. Daraus folgern sie dann, sie hätten den Kern der Arbeit verstanden…
Um ein wenig Objektivität in menschliches Versagen zu bringen, lohnt der Blick auf den Kalorienverbrauch eines typischen vollausgebildeten Handwerkers. Dieser setzt sich zusammen aus einem Grundumsatz von rund 2000 Kilokalorien pro Tag plus 4000 Kilokalorien für 10 Stunden Schwerstarbeit auf der Baustelle. So zumindest die Angaben nach http://www.apotheken-umschau.de/kalorienrechner
Jedes physikalische System funktioniert so, dass maximal die hineingesteckte Energie auch wieder abgegeben wird. Wenn man den Bauarbeiter also mit 4000 Kilokalorien füttert, dann vermag er nur eine Leistung in dieser Größenordnung zu erbringen. (Ach so, der Grundumsatz geht als Verlustleistung in die Rechnung mit ein, das verbraucht man in den Pausen, bei der Anfahrt und beim Schlafen).
Die benötigten 4000 Kilokalorien pro Tag sind auf die Arbeitszeit bezogen 4000/10 Stunden also 400 Kilokalorien pro Stunde. Das sind umgerechnet 465 Watt oder 0,62 PS die der Arbeiter leisten kann. Wohlgemerkt, konstant über 10 Stunden auf dem Bau hinweg, wenn er mit vollem Einsatz dabei ist.
Hier mal der Vergleich mit einem Leistungssportler auf http://www.netzathleten.de/Nachrichten/Die-menschliche-Leistung-in-Watt-der-entsprechende-Energieverbrauch/Radsport/-8659720177160281088/a
Darin wird die Leistung in Watt eines Profiradsportlers ermittelt. Beispielhaft wird in http://www.netzathleten.de/Nachrichten/Leistungsfaehigkeit-auf-dem-Rad-am-Berg/Radsport/-8372209234465611776/a
Marco Pantani erwähnt, der bei einer Bergfahrt über rund 30 Minuten konstant 403 Watt erbrachte. Um diese Leistung signifikant zu steigern, müsste man wesentlich mehr Kilokalorien zuführen, was beim Menschen an natürlichen Grenzen stößt. Selbst wenn man also einen Bauarbeiter an seine Höchstgrenzen treibt, mehr als die o.g. 0,62 PS wird er nicht bringen können, und nach 10 Stunden Arbeitszeit ist er schöpft.
Ich will damit sagen, dass die menschliche Arbeitsleistung sehr engen Grenzen unterworfen ist. Würde man ein dummes Pferd mit einer Durchschnittsleistung von 1 PS dazu bringen können, auf einer Baustelle zu arbeiten, würde es mehr leisten können als der beste Mensch. Man muss dem Pferd nur beibringen, wie es mit Zollstock, Lot und Maurerkelle umzugehen hat und schon wäre die Wand viel schneller hochgezogen.
Effizienzsteigerung in der Bauwirtschaft beruht infolgedessen darin, dass alles was irgendwie Energie verbraucht möglichst nicht von Menschen erledigen zu lassen und stattdessen Maschinen zu kaufen, die einen möglichst hohen Dieselverbrauch aufzuweisen haben. Natürlich ist nicht jeder Bagger, der 100 Liter Schweröl pro Stunde schluckt auch gleich ein guter Arbeiter, aber zumindest sind die Grundlagen dafür geschaffen, dass er potenziell viel leisten kann. Mit seiner Mini-Leistung von 400 Watt konstant über 10 Stunden sind selbst die besten menschlichen Arbeiter allenfalls als Hilfskräfte zu verwenden, um Zuarbeiten zu erledigen, die aber keine richtige Arbeit sind, weil sie möglichst keine Energie verbrauchen dürfen. Also wird von Menschen maximal Kinderarbeit verrichtet, beispielsweise das Halten einer sehr leichten Schnur, oder das zurücklegen von sehr kurzen Wegen. (Vielleicht die 100 Meter über die Baustelle sind gerade noch machbar, weiter weg sollte man schon für ein Auto sorgen). Ich habe keine genauen Zahlen, aber ich würde vermuten, dass von 100 Watt die in den Hausbau gesteckt werden, maximal 1 Watt von Menschen erbracht wird und der Rest von Pferden, Dampfmaschinen oder Dieselgeneratoren geleistet wird.
Das führt dazu, dass die Handwerker für ernsthafte konstante Arbeitstätigkeit eigentlich ungeeignet sind. Sie sind zwar auf dem Bau angestellt, leisten dort aber nichts. Und wenn dann doch mal ein schwerer Stein von 5! Kilogramm zu heben ist, machen sie das so langsam, dass man dabei einschläft. Was will man auch von einem Gerät erwarten, was 400 Watt verbraucht? Richtig, gar nichts.
Vielleicht hier zum Vergleich mal zwei richtige Maschinen mitsamt ihrer Kenndaten:
- Betonmischer, Kaufpreis=300 EUR, Stromverbrauch=800 Watt, http://www.mein-baumarkt24.de/Werkstatt/Elektrowerkzeug/Betonmischer-CM-160L-800-Watt.html
- Bagger Demag H 185, Neupreis=2 Mio DM, Verbrauch pro Stunde=100 Liter Diesel, Motorleistung=1250 PS, http://www.rainerschuette.de/Bagger.html
Das Beste ist es also, man stellt die menschlichen Bauarbeiter von der Arbeit frei und gibt ihnen stattdessen eine überwachende Funktion. Damit kommt man ihrer natürlichen Abneigung gegen Arbeit entgegen und entlastet sie körperlich. Beispielsweise kann man das Büro in einem Demag-Bagger einrichten. Die Tätigkeit besteht dann darin, den Bagger zu überwachen und bei Gefahr auf die richtigen Knöpfe zu drücken. Auch müssen Berichte geschrieben werden, Materialanforderungen verwaltet werden oder die Sicherheitsstandards überwacht werden. So kommt es, dass aus gestandenen Bauarbeitern inzwischen schwächliche Bürokraten geworden sind, die morgens mit einer Kaffeekanne in ihrem Bagger verschwinden, um dort ihren Papierkrieg zu führen. Anstatt zu arbeiten, haben sie jetzt eine Verantwortung.
Um Bürokraten aus ihren Baggern und Kränen wegzurationalisieren, muss man sich vergegenwärtigen, worin ihre „Arbeit“ eigentlich besteht. Es ist keine körperliche Tätigkeit mehr, sondern geistiger Natur. Vorwiegend besteht Arbeit auf einer Baustelle im Verteilen von Zuständigkeit, im Ausfüllen von Formularen sowie im Weiterreichen von Informationen. Jeder Bürokrat ist bestrebt, seine Macht zu vergrößern und sich unentbehrlich zu machen. So kommt es, dass einige der Baggerführer gänzlich neue Verordnungen erfinden, über die nur sie zu entscheiden haben. So was lähmt natürlich den Arbeitsbetrieb. Die Steigerung von Effizienz auf einer Baustelle ist gleichbedeutend mit der Effizienzsteigerung in einer staatlichen Behörde. Und der Königsweg hierzu ist Bürokratieabbau, also das Herstellen von Transparenz und der expliziten Darstellung von Geschäftsprozessen. Ein guter Anfang wäre es, wenn jeder Mitarbeiter über alles Bescheid weiß. D.h. es gibt eine große Datenbank in die alle Informationen hineinfließen. So kann der Arbeiter an der Betonfräse über seinen Monitor sehen, was der die Kamera auf dem Gabelstapler anzeigt, selbst dies für seine momentane Aktivität unwichtig ist. Transparenz bedeutet auch nur, dass man potenziell überall hineinschauen könnte. Was man damit anfängt, kommt im nächsten Schritt.
Erst wenn jeder alles weiß, kann analysiert werden, wo eventuell Rationalisierungsbedarf besteht. Meist haben sich im Laufe der Jahre bestimmte Privilegien eingebürgert, die auf den Prüfstand gehören. Es kann nicht angehen, dass die Mittagspause vom Chef rund 60 Minuten länger geht usw.
Obwohl es paradox klingt, aber Automatisierung auf einer Baustelle bedeutet vor allem „Büroautomatisierung“. Denn es soll ja der Teil wegrationalisiert werden, der noch von menschlicher Tätigkeit infiziert ist. Und das was Bürokraten auf einer Baustelle am meisten tun, ist sicherlich das Hinschauen. Sie verschaffen sich ein Bild der Lage, um dann Mängel aufzuzeigen. Es ist aber sehr ineffizient, wenn ein Mensch dies tun muss. Besser wäre es, wenn man das allwissende Auge der Pyramidenspitze technisiert. Also überall auf dem Bau kleine Sensoren anbringt, um so jederzeit einen Überblick zu bekommen. Diese Sensordaten fließen dann in ein 3D Computermodell ein, worin der aktuelle Baufortschritt dargestellt wird. Dies ist zeitgemäße EDV-Unterstützung! So entfällt das mühsame Stiefel anziehen, Bauhelm aufsetzen, raus in den Matsch gehen nur um nachzuschauen ob noch genug Steine da sind…
* 7: Literatur
[1] Wanderfalke, der schnellste Vogel der Welt, http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=15964&edit=0
[3] Portalroboter, auf Englisch „Gantry Robot“, http://en.wikipedia.org/wiki/Cartesian_coordinate_robot
[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Jaquet-Droz
[5] Betondrucker „Contour Crafter“, http://www.welt.de/print-welt/article301367/Haeuser_baut_zukuenftig_der_Beton_Drucker.html
[6] Robolympics Allgemeine Regeln, http://www.robolympics.ch/uploads/media/Regeln_2011__V1.2_.pdf
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