Neues von der Mindstorms-Front

Nachdem ich bereits einige Blog-Artikel über Lego Mindstorms verfasst habe (ok, es waren nur 2) ist ein wenig Ruhe eingekehrt und ich habe mich eher passiv mit dem Roboterkit aus Dänemark beschäftigt. Das bedeutet, ich habe weniger mit Mindstorms gespielt, als vielmehr mir Anregungen in der Industrie geholt, um das Thema Roboter auf einer abstrakteren Ebene behandeln zu können. Und diese Strategie hat sich ausgezahlt, wie ich im Folgenden zu zeigen versuche.

Inhalt

Die Literatur zu Mindstorms (damit ich meine die reich bebilderten englischen Standardwerke) dreht sich überwiegend um den Bau von Robotern, und dabei speziell um tierförmige Roboter. Der Baukasten wird also dafür verwendet, Hornissen, Ameisen oder Spinnen nachzubauen. Damit orientieren sich die Autoren an der Biomechanik, also der Adaption natürlicher Verhaltensweisen durch Technologie. Das Ziel dürfte wohl darin bestehen, ein bisschen was mit KI zu machen.

Meiner Ansicht führt dieser Ansatz in die falsche Richtung. Warum? Weil damit hauptsächlich das literarische Vorbild des Roboters befriedigt wird, nicht jedoch das technisch machbare. Der Ansatz des humanoiden oder tierischen Roboters führt nur zu Robotoerhunden wie Aibo oder zu Laufrobotern wie Asimo von Honda, was auch in klein auf der Mindstorms-Verpackung abgebildet ist. Sowas macht sich vielleicht gut als Kinderspiel, für ernsthafte industrielle Anwendungen ist dieses Konstruktionsprinzip jedoch nicht zu gebrauchen.

Die technische Variante eines Vogels (der Düsenjet) schlägt ja auch nicht mit den Flügeln, sondern bewegt sich vollkommen anders durch die Luft. Dadurch ist er seinem biologischen Vorbild haushoch überlegen. Der schnellste Vogel der Welt, der Wanderfalke, kommt auf eine Maximalgeschwindigkeit von lediglich 300 km/h [1], das schnellste Flugzeug hingegen, die X-43 A erreichte im Jahr 2004 beachtliche 9,6 fache Schallgeschwindigkeit [2]. Das Ziel dürfte also sein, Maschinen zu bauen, die besser als Tiere sind.

Auch ich habe ein bisschen recherchiert und fand die am weitesten fortschrittliche Maschine, welche derzeit in der Industrie eingesetzt wird, unter dem Namen „Bestückungsmachine“. Sie dient dazu, SMD-Platinen mit Bauteilen auszustatten. D.h. aus vielen kleinen Einzelteilen baut so ein Gerät ein fertiges Motherboard, was wiederum jedes Gamer-Herz höher schlagen lässt. Im Gegensatz zur landläufigen Meinung erfolgt die Produktion von Motherboards inzwischen in menschenleeren Fabriken, d.h. menschliche Arbeit ist dafür keine mehr nötig. Und so ein Bestückungsautomat hat keinerlei Ähnlichkeit mit einem Androiden aus Star Trek sondern viel eher mit einem übergroßen Drucker. Es ist im Grunde ein Plotter, der einen Bestückkopf besitzt, um Bauteile anzusaugen und kontrolliert abzusetzen. Mit diesem Aufbau kann man eine effiziente Produktion durchführen. Wenn alles reibungslos klappt, kommen die fertigen Platinen wie aus einer Druckerpresse im Sekundentakt aus der Fertigungsstraße.

Kurzum, klassische Roboter haben sich in der Elektronikfertigung nicht bewährt. Frei gelagerte Gelenke, die Ähnlichkeiten mit einer Armprothese haben, sind viel zu ungenau, um damit maximalen Output zu erzeugen. Mit plotterähnlichen Gerätschaften kann hingegen eine viel höhere Leistung erreicht werden.

* 1: Pick and Place

Die wahrscheinlich am weitesten entwickelten Automaten heißen Pick and Place Bestückungsautomaten. Das sind Geräte, die Kleinteile aus einer Zuführung (Feeder) aufnehmen und auf einer Hauptplatine montieren. Im einfachsten Fall besteht die Zuführung aus getrennten Kammern: in Feeder 1 sind die CPUs, in Feeder 2 die Dioden und in Feeder 3 die Etiketten.

Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, gibt es Pick and Place Automaten, die sogar Schüttgut als Input verarbeiten können. Hierbei sind alle Kleinteile in einer großen Spielzeugkiste bunt gemischt durcheinandergewürfelt. Der Automat muss zunächst mittels Kamera erst mal das richtige Teil ausfindig machen. Auch hier gilt: Wenn die Maschine fehlerfrei arbeitet, ist sie weitaus schneller als ein Mensch. Sie übertrifft menschliche Intelligenz und menschliche Fingerfertigkeit bei weitem.

Es mag vielleicht ganz nett sein, einen humanoiden oder tierähnlichen Roboter zu besitzen (bzw. so einen aus Mindstorms nachzubauen). Der könnte dann ein Spielkamerad sein … Aber effizient ist sowas nicht gerade. Besser man versucht gar nicht erst, menschenähnliche Roboter nachzubauen sondern orientiert sich am bewährten Plotterdesign: d.h. eine X-Schiene und eine Y-Schiene. Dann noch ein Multifunktionskopf darauf befestigt und schon ist die Universalbestückungsmaschine fertig. Diesem Gerät kann man dann lustige Tiernamen verpassen. Einige Pick&Place Systeme aus der Industrie heißen tatsächlich Chicken, Skorpion, Tiger oder Cobra. Obwohl sie überhaupt nicht so aussehen wie ein Huhn, sondern eher dessen Funktion imitieren bzw. übertreffen.

Unter dem Stichwort „Mindstorms Gantry Robot“ gibt es bei Youtube eine Vielzahl von Beispielen für effiziente Maschinen. Meist sehen die Aufbauten wenig spektakulär aus, ist doch eine Achsensteuerung die einfachste Möglichkeit einen Punkt in den Raumkoordinaten anzusteuern. Man darf sich aber davon nicht täuschen lassen. In der Industrie sind es gerade diese Maschinen, die richtig viel wegarbeiten können. Da geht es nicht um irgendwelche KI-Scheiße (Motto „Hilfe, mein Roboter hat ein eigenes Bewusstsein und kann denken“), sondern es geht einfach nur darum, pro Stunde 100 Bauteile an die richtige Stelle zu befördern, um ein Produkt zu fertigen. Deshalb glaube ich, dass der Portalroboter die bessere Ausgangsbasis ist, um mit Lego Mindstorms eigene Experimente anzustellen.

Kombiniert man einen Portalroboter mit einem Förderband, erhält man eine schicke kleine Produktionsstraße um alles Mögliche zu bestücken: Pralinen in Schachteln verpacken, Etiketten auf Kartons kleben oder Zigarren in Schachteln stecken.

* 2: Fehlschläge in der Robotik

Im Jahr 1774 stellten die Uhrmacher Jaquet-Droz ihren schreibenden Androiden vor. Dieser war einem Menschen nachempfunden und sah aus wie eine Puppe (sogar mit Gesicht und Lippenstift). Der Androide konnte einen Federkelch in Tinte tauchen und damit etwas aufschreiben. Das mag vielleicht ganz amüsant gewesen sein, für die Robotik war es jedoch ein Rückschlag. Heute (einige Jahrhunderte später) wissen wir auch warum. Sogenannte Schreibroboter sehen keineswegs so aus wie die Jaquet-Droz Androiden, sondern sie sind die Weiterentwicklung der Druckerpresse. Das Designprinzip ist eben nicht dem Menschen nachempfunden, sondern so ein moderner Matrixdrucker arbeitet mit einem beweglichen Schlitten und einer Walze. Niemand käme ernsthaft auf die Idee, einem Nadeldrucker ein Gesicht anmalen zu wollen. Und trotzdem ähnelt er funktionell einem Schreiber: Man kann mit Druckern in sehr kurzer Zeit komplette Bücher erstellen.

Selbst mit moderner Technologie dürfte es schwierig sein, einen Schreib-Androiden zu bauen. Theoretisch wäre dies als Prinzip vielleicht denkbar. Praxistauglich wären diese Geräte nicht. Jeder Noname Tintenstrahldrucker schafft bessere Resultate, als eine Maschine, die einer menschlichen Hand nachempfunden ist. Kurzum: Die Natur ist ein schlechtes Vorbild für leistungsfähige / denkende Maschinen.

All die Androiden, Schreitroboter und Insektoiden aus Star Wars, Terminator oder Star Trek sehen zwar toll aus, und manche finden es cool mit Battletech-Maschinen rumzulaufen, aber sie sind nur deswegen so interessant, weil sie eine alternative Welt darstellen. Terminator ist nicht die Zukunft der Robotik, sondern eine Alternativwelt. In dieser sehen die Maschinen wie menschliche Skelette aus und dürften energietechnisch ein ähnlicher Fehlschlag sein wie die Jaquet-Droz Droiden. In der Welt von Terminator II braucht man keine Angst mehr vor den Robotern zu haben, weil sie bauartbedingt sehr ineffizient arbeiten. Wie schnell kann sich denn ein funktionsfähiger Mecha über das Schlachtfeld bewegen? Vielleicht 10 km/h? Richtige Kriegsmaschinen sind das nicht, denn diese hätten Panzerketten und Räder. Diese Antriebsarten sind wesentlich leistungsfähiger als irgendwelche mechanischen Beine.

Man darf sich in den Maschinen nicht täuschen: sie sehen vielleicht anders aus als wir Menschen, erfüllen aber die gleichen Funktionen. Nur weil ein Tintenstrahldrucker keine Arme hat, heißt das nicht, dass er niemanden wegrationalisieren könnte. Und nur weil eine Taktstraße keine Hände hat, heißt das nicht, dass sie ungeschickt wäre.

* 2.1: Mobile Roboter als Fanatismus

Die Avantgarde der Mindstorms Community dürften wohl die internationalen Wettbewerbe sein. First Lego League und andere sportliche Herausforderungen sollen vor allem Jugendliche zu Höchstleistungen im Roboterbau motivieren. Bemerkenswerterweise gehen die Juroren immer davon aus, dass die gestellten Aufgaben mittels mobiler Roboter gelöst werden. D.h. ein autoähnliches Fahrzeug, das sich auf einem Spielfeld programmgesteuert bewegt. Diese Ideologie, ich würde sie im Folgenden als Fanatismus bezeichnen wollen, geht soweit, dass mobile Roboter sogar dort eingesetzt werden, wo sie eigentlich nur die zweitbeste Lösung für ein Problem sind. Zum Beispiel findet sich im Regelwerk [6] auf Seite 12 die Aufgabenstellung, einen Bestückungsroboter zu bauen. Dieser soll über ein Spielfeld fahren und dort verschiedene Gegenstände wie Dioden oder Widerstand entsprechend den abgebildeten Symbolen ablegen. D.h. die Aufgabenstellung ist eine typische Pick&Place Aufgabe.

Bemerkenswerterweise kommt dieses Problem in der Industrie sehr häufig vor und wird dort ausnahmslos nicht mit mobilen Robotern, sondern mit plotterähnlichen Bestückungsautomaten erledigt. Das hat Gründe. Warum werden die Nachwuchsroboterbauer gezwungen, eine gänzlich andere Lösung zu erfinden? Ich habe mal ein wenig weiter recherchiert und konnte im gesamten First Lego League Universum keine einzige Aufgabe finden, die mittels Portalroboter (also Plotterkonstruktionen) gelöst wurde. Obwohl die meisten Aufgaben dazu geradezu prädestiniert währen. Es gibt dafür zwei mögliche Erklärungen:

  1. Portalroboter (auch als stationäre Automaten bekannt) sind nicht so leistungsfähig. Dann wäre fast die gesamte Elektronikproduktion im Grunde in einer Sackgasse.
  2. Oder aber, und das halte ich für die richtige Erklärung, bei den Mindstorms-Wettbewerben sitzen in der Jury nur ein Haufen Vollidioten, die man mit Spielzeugautos, krabbelnden Spinnen oder anderen beweglichen Gedöns mehr beeindrucken kann, als mit funktionierender Technik.

Offenbar werden Plotter gemeinhin nicht als Roboter angesehen, und schon gar nicht als intelligente Maschinen. So werden in der Künstlichen Intelligenz ausnahmslos bewegliche Greifarme oder autonome Fahrzeuge betrachtet, aber keine Portalkräne.

* 2.2: Bricklayer Robot

Die vielleicht schönste Anwendungsaufgabe für einen vollautomatischen Roboter dürfte wohl das Mauern sein, oder wie es im englischen heißt, „bricklayer robot“. Nicht dass ich unbedingt ein Fan der angloamerikanischen Ausdrucksweise wäre, jedoch findet sich so auf Youtube leichter der passende Lehrfilm. Und tatsächlich auf http://www.youtube.com/watch?v=dOlOMYmpcE4 wird man fündig. Es ist ein kleines Mondfahrzeug mit 4 Rädern zu sehen, das über ein aufmontierten Greifarm verfügt. Zuerst nimmt der Roboter einen handelsüblichen Mauerstein auf und fährt damit dann zum Einsatzort um ihn passend abzusetzen.

Das Ganze sieht noch etwas hackelig aus, und soll wohl ein Forschungsprojekt sein. Motto: Wenn das Mal eines Tages serienreif ist, wird das die Bauindustrie revolutionieren. (Eben der ganze Quatsch von der Künstlichen Intelligenz).

Ich erwähne den automatischen Maurer explizit im Kapitel „Fehlschläge in der Robotik“, weil auch dieses Modell ein Irrweg ist. So wird ganz sicher kein Mauer-Roboter arbeiten. Das fängt schon damit an, dass das Mondauto vermutlich über eine Elektrobatterie angetrieben wird, die gerade mal so lange Saft hatte, wie das Youtube-Video lang war (exakt 3 Minuten). Außerdem muss das Auto eine komplexe Navigation beherrschen, um zwischen den Steinen und der hochzuziehenden Mauer zu navigieren. Insgesamt erinnert das doch arg an ein Technikspielzeug ohne praktischen Wert.

Meiner Ansicht nach gibt es für das Problem „Mauern“ nur eine sinnvolle Lösung. Und zwar braucht man zwingend einen Flächenportalroboter. Das heißt, die Maschine schwebt quasi über der Baustelle und kann jeden Ort mittels der Achsen ansteuern. Die Energieversorgung wäre so sichergestellt und kompliziertes Navigieren zwischen Hindernissen wird unnötig. Die Lösung wäre im Grunde eine überdimensionale Bestückungsmaschine, die ein Mauerwerk drucken kann.

Warum an sowas nicht geforscht wird, dürfte damit zusammenhängen, dass so ein Portalroboter nicht unbedingt als Künstliche Intelligenz angesehen wird, sondern eher als Werkzeug …

Weil auf Baustellen oftmals große Entfernungen zu überbrücken sind, empfiehlt sich der Einsatz eines Kabelkran-Roboters (cable crane robot for bricklaying).

* 2.3: Hardware vs. Software

Ich bin aufgewachsen mit dem Paradigma, dass Künstliche Intelligenz ein reines Softwareproblem sei. Das Gefährt, auf dem die intelligenten Programme dann laufen würden, wäre schon vorhanden es müsse eben nur richtig programmiert werden. Meist beginnt KI dann auch mit einem Greifarm oder einem Elektroauto, dass jetzt bitteschön intelligent gemacht werden solle.

Die Wahrheit ist freilich die, dass meist die Hardware das einzige Problem war und die Software nebenbei entsteht. Wer schon mit irgendwelchen SKARA-Systemen (Greifarm) anfängt, wird niemals auf gescheite Software zu sprechen kommen. Denn die grundsätzliche Designentscheidung war bereits ein Fehler.

Als Beispiel dafür, wie wichtig die Hardware ist, soll mal ein handelsüblicher Drucker herhalten. Dieser hat die Aufgabe, eine Seite Papier mit Buchstaben zu versehen und das ganze in möglichst hoher Geschwindigkeit. Die dafür nötige Technologie (z.B. Nadeldruck, Laser oder Tintenstrahl) wird ausschließlich über die Hardware definiert. Die Software zum Betrieb des Gerätes bleibt unverändert (Postscript + Hardwaredruckertreiber). Kein ernsthafter Wissenschaftler käme auf die absurde Idee, für einen Drucker eine Künstliche Intelligenz zu entwerfen. Was sollte so ein Programm auch mehr können, als es bisherige Drucker auch können? Den Druckkopf hin- und herbewegen oder vielleicht den Seitenvorschub? Lachhaft, dafür braucht es keine KI, sondern ein guter Druckertreiber. Ich will damit ausdrücken, dass moderne Office-Drucker bereits Advanced Technology sind und nicht erst in Zukunft über KI leistungsfähiger gemacht werden zu brauchen.

Stattdessen ist es so, dass Künstliche Intelligenz soetwas wie eine Alternativ-Welt-Erzählung darstellt. Ein Drucker mit eingebauter KI erledigt vermutlich die gestellte Aufgabe (eine Seite vollschreiben) auf gänzlich andere Art und Weise, und zwar so dass es irgendwie cool aussieht, sich aber wegen mangelnder Effizienz nicht durchgesetzt hat. Eben ein Steam-Punk Drucker oder ein Battletech-Drucker. Vorstellbar wäre z.B. ein komplizierter Greifarm anstatt eines Druckkopfes. Sowas könnte man gut in einen Fantasy-Roman einbauen.

Ich greife das Beispiel eines Druckers mit Bedacht auf, weil es dafür heutzutage sehr gute Lösungen gibt, die sich in jedem Haushalt durchgesetzt haben. Es ist deswegen keine KI, weil KI eben das ist, was sich nicht durchgesetzt hat. Also Zahnradkonstruktionen, dampfgetriebene Lochkartendrucker oder Mecha-Roboter die auf Grundlage von freier Energie sich fortbewegen. KI ist ein anderes Wort dafür, „wir bauen ineffiziente Maschine mit künstlerischem Anspruch“. Und deswegen wird KI immer nur ein Schattendasein führen. Diese „Wissenschaft“ ist von vornherein auf Alternativwelt ausgelegt, strebt also eine technisch sinnvolle Lösung überhaupt nicht an.

Was sind denn die Versprechungen von Künstlicher Intelligenz? Meist geht es darum, irgendwelche Arbeiten durch Maschinen erledigen zu lassen. Angefangen vom Sehen, weiter über das Bauen, dann Fahren, Einpacken, Auspacken, Bestücken, Kühe melken. Schlichtweg eigentlich alles, was heute noch der Mensch macht sollen eines Tages Roboter übernehmen. Die Wirklichkeit sieht so aus, dass es für all diese Aufgaben längst technisch anspruchsvolle Lösungen existieren. Diese Geräte heißen nicht unbedingt Roboter, sondern sind meist einfach nur Werkzeuge, Fließbänder oder Fräsmaschinen — erfüllen aber die o.g. Aufgaben besser als es ein Mensch je könnte. Versuchen sie doch mal einen Wettbewerb gegen eine Maschine zu gewinnen bei der Aufgabe „Brot schneiden“. Es tritt an: einmal der Mensch mit einem Brotschneidemesser, gegen eine Brotschneidemaschine. Die Aufgabe lautet, wer in kürzerer Zeit die besseren Brotscheiben erstellt. Gewonnen hat natürlich die Maschine. Vermutlich deshalb, weil in so einer Brotschneidemaschine keinerlei KI verbaut worden ist …

Eine KI-basierte Brotschneidemaschine wäre nach meiner Definition wesentlich langsamer als der Mensch. Und sie würde auch nur suboptimal arbeiten, beispielsweise über komplizierte Hebelmechanik um so eine Alternative zur rotierenden Säge vorweisen zu können. Und vermutlich wäre die Software in LISP programmiert mit irgendwelchen genetischen Algorithmen, wodurch so ein Apparat bei jeder Benutzung ein bisschen besser wird. Im Grunde ist das alles jedoch nur ein Haufen Quatsch und ist einer ernsthaften Wissenschaft unwürdig.

* 3: Tiere als Vorbild

Warum in der Roboterforschung oftmals Tiere oder gar der Mensch als Vorbild genommen werden, hat etwas mit christlichen Glauben zu tun, wonach die Natur bzw. Gott die besten Lösungen findet. Der Mensch als Gottes Ebenbild ist demnach perfekt. Dies kann man getrost als Dummheit von ungebildeten Bauern bezeichnen und ist für eine ernsthafte Wissenschaft unwürdig.

Schauen wir uns dochmal die armseligen Geschöpfe an, die die Natur hervorgebracht hat. Da fällt mir natürlich der Hai ein, als König der Fische. Der Hai gehört zur Gruppe der Raubfische und ernährt sich ausschließlich von anderen Fischen, die er zunächst fangen muss. Durch seinen Killerinstinkt ist er optimal an den natürlichen Lebensraum, das Meer angepasst. Soweit zumindest die sehr beschönigende Darstellung aus dem Biologieunterricht. Und wie viel Fische kann so ein Hai pro Tag fangen? Zwanzig / Dreißig? Keine Ahnung, jedenfalls nicht sehr viel. Mit einem altmodischen Fischkutter und einem ordentlichen Treibnetz kann man wesentlich mehr Fische fangen, als es ein Hai je könnte.

Es macht schlichtweg keinen Sinn, den Hai als Vorbild zu nehmen um einen Roboterfisch zu konstruieren der Fische fängt. Das ist vielleicht machbar aber unsinnig. Man könnte auch sagen: Ein Hai hat schlichtweg keine Ahnung vom Fischfang, sonst würde er es ähnlich machen wie die Profis: ein engmaschiges Netz am Meeresgrund ausbreiten und dann zusammenziehen. So aber sind Haie nichts weiter als blutjunge Anfänger, die vielleicht mit viel Hingabe an ihre Lebensaufgabe den einen oder anderen Fang machen, aber niemals zu Höherem imstande sind.

Auch an Land sieht es nicht viel besser aus mit der Evolution. Angeblich ist dort der Löwe der König der Tiere. Dieser ernährt sich von kleineren Tieren wie beispielsweise Mini-Zebras oder Antilopenbabys. Auch der Löwe wird gemeinhin als perfekt an seinen Lebensraum angepasst beschrieben. Seine Fähigkeiten zum Anpirschen und zum Erlegen der Beute gelten als unübertroffen. Aber was ist ein Löwe im Vergleich zu einer ordentlichen gusseiserne Falle mit einem Köder? So eine Falle ist wegen der qualvollen Schmerzen, die sie bereitet vermutlich in Deutschland illegal, aber das ändert, nichts an ihrer Wirksamkeit. Wenn man zwei Dutzend von Großwildfallen in der Savanne aufstellt, hat man in kürzester fast alles erlegt, was vier Beine hat. Die Bilanz gegenüber den Jagdqualitäten eines Löwen ist überwältigend eindeutig: Die gusseiserne Falle hat klar gewonnen. Sie kann wesentlich mehr Wild in kürzerer Zeit erlegen, als es ein ach so angepasster Löwe je zu träumen vermag. Kurzum: Ein Löwe hat keine Ahnung von der Jagd und Gott war vermutlich ein lausiger Schöpfer, als er solche Trottel ersonnen haben mag.

Emotional anstrengend war es für mich, die Youtube-Resultate zu der Suche „meat roboter“ auszuwerten. Meat heißt auf Englisch Fleisch und meint vollautomatische Maschinen, um beispielsweise bei Schweinen die Hufe abzuschneiden. Der Produktionsprozess erfolgt auch hier äußerst effizient und man könnte sagen, dass so ein FANUC oder KUKA Modell ziemlich viel Ahnung von aggressivem Vorgehen gegenüber schwächeren Lebewesen besitzt. Im Gegensatz zur manuellen Fleischproduktion erledigen Roboter die gestellten Aufgaben weitaus schneller.

Man sollte sich bewusstmachen, welche verantwortungsvolle Aufgabe so ein Schlachterroboter besitzt. Der hat ein äußerst scharfes Messer zur Verfügung und schnippelt damit an totem Fleisch herum. Wenn so eine Maschine falsch programmiert wird, dann helfe uns Gott …

Interessant ist auch ein Überblick über die gesamte tierische Prozesskette: Zuerst werden durch Futterautomaten die Rinder und Schweine gemästet. Zwischendurch kann die Kuh den Melkroboter aufsuchen. Dann findet die Schlachtung und das Ausweiden statt (ebenfalls vollautomatisch). Und die Verpackung in Supermarkt-taugliche Einheiten übernehmen ebenfalls Maschinen. Theoretisch kann so eine Taktstraße jede beliebige Fleischsorte verarbeiten: Hühner, Rinder, Hunde, Affen, Meerschweinchen usw. Je nach Kundenwunsch …

* 4: Pessimismus ohne Grenzen

Angesichts der bisher angeführten Beispiele bezüglich des (erfolgreichen) Einsatzes von Automaten für die Leiterplattenbestückung oder der Nahrungsproduktion stellt sich natürlich die Frage: Wo bleibt der Mensch? Wenn so eine Rumpelmaschine aus den frühen 1990′er schon 10000 Bauelemente pro Stunde auflöten konnte, dann stellt sich die Frage nach der prinzipiellen Machbarkeit von vollautomatischen Fabriken gar nicht mehr.

Klassischerweise steht ein ganz anderes Problem im Kernpunkt der Betrachtung der künstlichen Intelligenz. Ausgangsbasis ist meist eine arbeitsintensive Fabrik, die mittels Wissenschaft (speziell mittels Computerwissenschaft) verbessert werden soll. Die KI untersucht beispielsweise die Fragestellung, welche Arbeitsabläufe vom Menschen auf die Maschine übertragen werden können, und wo es noch Forschungsbedarf gibt. Scheinbar ist die Fiktion der Abwesenheit von Automaten systembildend für die KI. Dabei ist das Problem der prinzipiellen Automatiserbarkeit von menschlicher Arbeit schon längst gelöst. Ab wann genau, kann ich nicht sagen, aber vermutlich mit Einführung der Mikroelektronik seit Anfang der 1980er wurden die Taktstraßen massiv mittels vollautomatischer Produktionsweise umgebaut.

Heute stellt sich überhaupt nicht mehr die Frage, ob irgendwas automatisiert werden kann, sondern es stellt sich die Frage, was der Mensch in den Fabriken überhaupt noch zu erledigen hat. Was will der Arbeiter in der Fleischfabrik, wenn eine automatische Säge die Schweinehälfte zerteilt? Will der Mensch vielleicht den Aufpasser spielen? Oder ist seine Anwesenheit gar gewerkschaftlich legitimiert?

Inwieweit menschliche Arbeit für die Aufrechterhaltung der Produktion, des Handels oder der Finanzdienstleistungen in der modernen Arbeitsgesellschaft nötig ist, sieht man daran, wenn gestreikt wird. Dann beschließen einige wenige die Arbeit einzustellen und können trotz aller Technologie die Produktion stillstehen lassen. So ein Streik ist immer eine hervorragende Gelegenheit zu erfahren, welche Bereiche der Produktion offensichtlich noch der menschlichen Kontrolle unterliegen und welche eben nicht.

Wie lächerlich ein Streik im Grunde ist, zeigt sich, wenn wir uns eine kleine Mini-Firma vorstellen versuchen. Diese besteht aus einem Laserdrucker und einem menschlichen Bediener. Die Firma erwirtschaftet Gewinn dadurch, dass sie Bücher auf dem Laserdrucker ausdruckt. Wenn alles reibungslos funktioniert, dann schafft der Laserprinter pro Minute ca. 10 Seiten A4 auszudrucken. Natürlich nur solange, wie genügend Papier im Schacht ist, der Toner ausreichend gefüllt ist und kein Defekt vorliegt. Angenommen, der menschliche Bediener kommt jetzt auf die absurde Idee, er würde nicht ausreichend entlohnt und boykottiert die Firma durch Arbeitsniederlegung. Der Papierschacht hat nur einen kleinen Puffer, dann ist er leer. Und ohne Nachschub bleibt der Drucker stehen.

Nun stellt sich natürlich die Frage: Wer trägt die meiste Arbeitslast in der Firma? Ist der Automat oder der Mensch entbehrlich? Ich würde sagen, im Zweifel ist natürlich der Mensch entbehrlich. Weil es vorstellbar wäre, eine Maschine zu konstruieren, die auch alleine den Papiernachschub organisiert. Unvorstellbar ist jedoch, dass ein Mensch ohne Maschine pro Minute 10 Blätter bedrucken könnte.

Kurzum, der Arbeitsaufwand um einen Drucker am Laufen zu halten ist verschwindend gering. Heutige Automaten sind so konstruiert, dass sie auch von Hauptschülern bedient werden können. Dazu passt, dass in den meisten Fabriken Frauen an den Bestückungsautomaten eingesetzt werden. Und zwar ausschließlich gering qualifizierte Frauen. In einem Paper über die Elektroindustrie habe ich mal gelesen, dass die durchschnittliche Anlernzeit für einen Arbeitsplatz in der Elektrofertigung bei gerade einmal 6 Monaten liegt. Und das halte ich noch stark für übertrieben. Die meiste Zeit geht vermutlich nicht wegen der technischen Feinheiten drauf, sondern weil die Pausen so stressig sind und das ganze drum herum den Lernfortschritt eher behindert.

Ich will damit sagen, dass Arbeiten und insbesondere die hochproduktive Arbeit eine sehr einfache Sache ist. Man braucht dazu weder Geist noch Muskelkraft. Weil Arbeit überhaupt nicht dem Menschen zu eigen ist, sondern sich ausschließlich in seinen Werkzeugen manifestiert. Mag sein, dass nicht jedermann einen Industrieroboter zu Hause hat, um damit Motherboards für den freien Markt zu fertigen. Aber auch wenn man Arbeit im Lowtech-Bereich betrachtet, ergibt sich ein ähnliches Bild. Die simpelste Form von produktiver Arbeit dürfte wohl die Nahrungsbeschaffung sein. Weil Essen muss jeder … Und dazu eignen sich Tierfallen außerordentlich gut. Es gibt verschiedene Modelle: die einfachste Form für große Tiere ist das Loch. Dann gibt es noch komplexere Formen wie eine Schlinge, das Fangeisen oder den Käfig. Für all die verschiedenen Fallen ist natürlich ein menschlicher Bediener notwendig. Und natürlich muss er in die vorschriftsmäßige Handhabung eingewiesen werden. Allerdings dürften selbst unqualifizierte Fallensteller das Prinzip in kurzer Zeit verstanden haben und können dann bereits produktiv tätig werden.

Weil das Bürgertum so verliebt in permanentes Wachstum ist will ich damit gleich mal den Einstieg wagen. Ausgangspunkt ist natürlich, wie immer, dass man selbst arm, mittellos und mit einem hungrigen Bauch ist. Jetzt heißt es natürlich sparen, sich weiterbilden und versuchen den sozialen Aufstieg hinzubekommen. Das erste Stück Fleisch fängst du natürlich nicht selbst, sondern musst dafür betteln. Frag einfach die Passanten nach einer milden Gabe und mit viel Mühe bekommst du vielleicht einen toten Vogel minderer Qualität. An dieser Stelle kommt gleich die wichtigste bürgerliche Tugend, der Konsumverzicht, ins Spiel und deshalb darfst du den Vogel keineswegs selbst essen sondern verstaust ihn unter deiner Kleidung. Damit gehst du in den Wald und buddelst mit den bloßen Händen eine kleine Fallgrube. Darüber einige Äste verteilt und den toten Vogel obendrauf gelegt. Wenn du jetzt die Nacht abwartest, wirst du am nächsten Morgen in der Grube mit etwas Glück einen verirrten Fuchs finden, der in die Falle getapst ist. Der Fuchs wiederum dient nun als Köder für die nächste Falle, und diesmal kannst du einen ausgewachsenen Bären fangen. Der wiederum dient als Köder für eine Dinosaurierfalle. Und an dieser Stelle muss das ausgebuddelte Loch vermutlich ziemlich groß sein. Und ab jetzt wirst du nie wieder Hunger leiden müssen. Von dem Dinosaurier schneidest du einige Fleischstücken ab, und verteilst diese als Köder an ganz viele Fallen. Du bist jetzt stolzer Besitzer einer Fallenfarm und hast jede Nacht 10 neue Dinos gefangen. Diese kannst du nun am Markt verkaufen und von dem Erlös Arbeiter einstellen, die deine Fallen betreuen. Und so geht die gesunde Geldgier seinen natürlichen Lauf und in sehr kurzer Zeit wirst du zum absoluten Fleischmagnaten aufsteigen.

Um die Fallen noch effizienter zu gestalten, kannst du deine Fallenfarm mit einem großen Zaun umfrieden und die Falle so in einen Brutkasten verwandeln. Du ermunterst die gefangenen Tiere also dazu, sich zu vermehren und züchtest so eine bescheidene Dino-Herde heran.

Persönlichen Anteil an deinem Erfolg hattest du selbst natürlich nicht, sondern es war der Verdienst des Werkzeuges „Falle“, das den märchenhaften Ruhm einbrachte. Solange du nicht vor lauter Eifer die Dinosaurier ausrottest, wirst du nie wieder hungern müssen. So eine Falle funktioniert nach einem verlässlichen Prinzip: In der Dämmerung legst du ein Kadaver als Köder aus, und am nächsten Morgen befindet sich in der Grube ein ausgewachsener T-Rex, den du aus sicherer Distanz töten kannst. Dabei kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Man braucht noch Nichtmal einen Jagdschein oder ein Gewehr dafür. Und wie man aus einem gefangenen Tier einen leckeren Braten zubereitet, brauche ich dir ja nicht zu erläutern. Du schneidest einfach ein großes saftiges Stück Dinosaurierbrust heraus, hälst das über ein Feuerchen und nach einer Weile ist das Stück gar. Als Beilage sind Kartoffeln ganz gut oder vielleicht auch Karotten … Auf alle Fälle war für dieses Festmahl zu keiner Zeit eine Anstrengung oder ernsthafte Arbeit erforderlich. Man muss weder stundenlang durch den Wald jagen, noch muss man eine Wildererschule besucht haben, um sich den Wanzt vollzuschlagen.

Und so wie man Dinosaurier fängt, kann man alle anderen menschlichen Bedürfnisse ebenfalls erfüllen. Den Bau eines Hauses, die Fortbewegung über weite Strecken bis hin zur Fertigung von Versace-Handtaschen. Jedesmal arbeitet nicht der Mensch, sondern die von ihm erdachten Gerätschaften. Sicherlich, man kann die Produktion auch manuell erlegen. Beispielsweise kann man einen T-Rex auch mit einem Speer fangen, man kann ein Haus auch ohne Betonmischer bauen und man kann Lederwaren auch ohne Maschinen fertigen. Nur dauern die nötigen Arbeitsschritte dann um ein vielfaches länger und es ist besonderes Geschick erforderlich. Vielfach wird aus didaktischen Gründen auf die technische Unterstützung komplett verzichtet. Beispielsweise ist es im Christentum sehr verbreitet, den Wert der Arbeit hochzuhalten und deswegen alles mit den eigenen Händen zu erledigen. Das faktisch verfügbare Schlaraffenland passt nicht gut in das Weltbild von verbrämten Gläubigen.

Dieses Weltbild basiert darauf, dass man sich vom Dieb abzugrenzen versucht. Der Fallensteller gilt als Wilderer, der Viehbauer hingegen als ehrlicher Arbeiter. Obwohl beide im Grunde dasselbe tun. Aber dem Fallensteller haftet der Ruf an, er würde an der Natur schmarotzen. Angeblich sei er ein Schmarotzer und schädige den Wald. Das ist natürlich Blödsinn. Vielmehr ist es so, dass ein Viehbauer nur eine höher entwickelte Form des Fallenstellers ist, und nicht etwas gänzlich anderes. Und so ist es auch mit anderen Berufen. Es gibt einerseits natürlich den Handtaschendieb, der Versace Produkte direkt in der Fabrik klaut um sie anschließend auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Diese Handlungsweise wird als unethisch betrachtet. Wenn man hingegen das Klauen professionalisiert wird aus dem Handtaschendieb ein Logistikkonzern, der die Handtaschen im Werk abholt, um sie an den Einzelhandel auszuliefern. Das gilt dann als ehrbarer Handelskaufmann.

Ein Dieb wird manchmal auch als Räuber bezeichnet. Er unterzeichnet sich vom Fallensteller dadurch, dass er dort beginnt, wo das Tier bereits in der Falle ist. Der Räuber klaut das Tier aus dem Käfig und befördert es woanders hin (meist zu einem illegalen Pelzmarkt). Wenn ein Räuber in maritimen Gefilden tätig wird, spricht man auch vom Piraten. Und das organisierte Räubern (also die Logistik) wird als Piratenpartei bezeichnet. Dort schließen sich Kaufleute zusammen, die gutbürgerliche ausüben, sich aber in Bescheidenheit üben und sich selbst als Illegale bezeichnen.

Interessanterweise ist zur Organisation einer Räuberbande das gleiche Know-how erforderlich wie auch bei Transportunternehmen. Man benötigt zum eigentlichen Diebstahl der Tiere aus den Fallen natürlich Werkzeug. Mindestens ein paar gute Handschuhe, damit man sich nicht verletzt und ein Gerät um evtl. Sicherheitsschlösser zu entfernen (einen Schlüssel). Und dann müssen die gestohlenen Tiere auf einen Bollerwagen verladen werden und dieser wird dann durch den Wald gezogen. Für all diese Tätigkeiten braucht es gutes / verlässliches Räuberpersonal. Und dann braucht man natürlich noch eine Straßenkarte um den schnellsten Weg zum Zielort auszukundschaften. Auch vor Wildhütern muss man sich in acht nehmen (dafür braucht man eine Reihe von Kundschaftern). Stellt man das Räuberwesen auf eine professionelle Ebene erhält man eine Post-Mafia, die gefangene Tiere aus Wildfallen klaut um sich an einem geheimen Ort zu sammeln.

Der Ort, wo das Diebesgut verstaut wird, heißt Räuberhöhle. Die Webseite findet sich auf http://www.räuber-höhle.de

Dort finden sich Secondhand-Bekleidung, die fleißige Räuber irgendwo zusammengeklaubt haben.

* 5: Mindstorms lernen

Wenn man als Einsteiger sich das erste Mal einen Lego Baukasten kauft, hat man natürlich bestimmte Erwartungen. Zumindest ich hatte die Befürchtung, wielange die Batterien reichen würden und ob ich nicht gleich auf Akkus umsteigen sollte. In der Praxis erweißt sich die Angst um die Batterielebensdauer als unnötig, da die meiste Spielzeit ohnehin nicht in direkter Interaktion mit dem Gerät drauf geht, sondern im Sichten von Fachliteratur besteht. Klar, ab und an muss man natürlich echte Modelle zusammenbauen und die ein bisschen fahrenlassen. Tatsächlich ist es jedoch so, dass man dabei am wenigsten lernt.

Die meiste Zeit verbringt man also nicht mit dem 8547 Set sondern mit Google und Youtube. Weil es eben mitunter mehrere Stunden dauern kann, bis man ein neues Modell zusammengesteckt hat, will man natürlich möglichst wenig Selbst bauen. Im Netz gibt es schätzungsweise 2000 verschiedene Bauanleitungen, die kann man mit viel Zeitaufwand maximal alle als PDF mal durchblättern aber nicht mit den eigenen Steinen nachbauen.

Im Grunde bedarf es zunächst eines mehrjährigen theoretischen Unterrichts, bevor man mit Mindstorms tatsächlich etwas bauen sollte. Es kann also durchaus sein, dass man im zarten Alter von 10 Jahren so ein Set geschenkt bekommt und erst mit 15 seinen ersten Roboter baut.

Aber ich will Lego nicht schlecht machen, so ein anfassbarer Baukasten ist immernoch besser als gar kein Spielzeug…

* 6: Der kulturelle Leistungsbegriff

Menschliche Leistungskraft wird meist haushoch überschützt. Der Mensch sieht sich als einzigartig und unübertroffen an. Anstatt wirklich seine Arbeit zu bewerten, orientiert er sich an kultureller Tradition und entzieht Leistung so einem objektivem Maßstab. Beispielsweise wird im Comicfilm „Werner beinhart“ die Tätigkeit auf einer Baustelle dargestellt. Zu sehen sind klassische Handwerker, die mit einem Bauhelm auf dem Rohbau herumlaufen um dort zu mauern, Heizungsrohre zu verlegen oder einfach nur in der Pause Skat zu spielen. Auf diese Weise wird ein Märchen über menschliche Arbeitskraft erzählt.

Die Wahrheit ist jedoch, dass Arbeit (insbesondere die auf einer Baustelle) ausschließlich den Naturgesetzen gehorcht und absolut nichts mit Tradition zu tun hat. Und so kommt es auch, dass das Mauern einer Wand keineswegs eine Anlerntätigkeit darstellt, sondern vor allem eine Umwandlung von Energie in Materie ist. Du steckst z.B. 100 Watt in das Heben eines Steines und dafür gelangt der Stein dann von der Schubkarre in die Mauer auf den richtigen Platz. Noch mal steckst du 10 Watt in das Heben der Maurerkeller und wiederum landet der Mörtel an der richtigen Stelle. Die Tätigkeit des Mauerns besteht also darin, Energie möglichst so umzusetzen, dass dabei eine stabile Wohnungswand entsteht. Und mit diesem Energiebegriff sieht die Bilanz eines menschlichen Arbeiters schon wesentlich armseliger aus. Die meisten Handwerker behaupten von sich, sie könnten an einem Tag richtig viel wegschaffen, denn keiner bewertet ihre Leistung. Sie vergleichen sich vielleicht mit ihren Kollegen und sehen, wie schnell doch das Haus wächst. Daraus folgern sie dann, sie hätten den Kern der Arbeit verstanden…

Um ein wenig Objektivität in menschliches Versagen zu bringen, lohnt der Blick auf den Kalorienverbrauch eines typischen vollausgebildeten Handwerkers. Dieser setzt sich zusammen aus einem Grundumsatz von rund 2000 Kilokalorien pro Tag plus 4000 Kilokalorien für 10 Stunden Schwerstarbeit auf der Baustelle. So zumindest die Angaben nach http://www.apotheken-umschau.de/kalorienrechner

Jedes physikalische System funktioniert so, dass maximal die hineingesteckte Energie auch wieder abgegeben wird. Wenn man den Bauarbeiter also mit 4000 Kilokalorien füttert, dann vermag er nur eine Leistung in dieser Größenordnung zu erbringen. (Ach so, der Grundumsatz geht als Verlustleistung in die Rechnung mit ein, das verbraucht man in den Pausen, bei der Anfahrt und beim Schlafen).

Die benötigten 4000 Kilokalorien pro Tag sind auf die Arbeitszeit bezogen 4000/10 Stunden also 400 Kilokalorien pro Stunde. Das sind umgerechnet 465 Watt oder 0,62 PS die der Arbeiter leisten kann. Wohlgemerkt, konstant über 10 Stunden auf dem Bau hinweg, wenn er mit vollem Einsatz dabei ist.

Hier mal der Vergleich mit einem Leistungssportler auf http://www.netzathleten.de/Nachrichten/Die-menschliche-Leistung-in-Watt-der-entsprechende-Energieverbrauch/Radsport/-8659720177160281088/a

Darin wird die Leistung in Watt eines Profiradsportlers ermittelt. Beispielhaft wird in http://www.netzathleten.de/Nachrichten/Leistungsfaehigkeit-auf-dem-Rad-am-Berg/Radsport/-8372209234465611776/a

Marco Pantani erwähnt, der bei einer Bergfahrt über rund 30 Minuten konstant 403 Watt erbrachte. Um diese Leistung signifikant zu steigern, müsste man wesentlich mehr Kilokalorien zuführen, was beim Menschen an natürlichen Grenzen stößt. Selbst wenn man also einen Bauarbeiter an seine Höchstgrenzen treibt, mehr als die o.g. 0,62 PS wird er nicht bringen können, und nach 10 Stunden Arbeitszeit ist er schöpft.

Ich will damit sagen, dass die menschliche Arbeitsleistung sehr engen Grenzen unterworfen ist. Würde man ein dummes Pferd mit einer Durchschnittsleistung von 1 PS dazu bringen können, auf einer Baustelle zu arbeiten, würde es mehr leisten können als der beste Mensch. Man muss dem Pferd nur beibringen, wie es mit Zollstock, Lot und Maurerkelle umzugehen hat und schon wäre die Wand viel schneller hochgezogen.

Effizienzsteigerung in der Bauwirtschaft beruht infolgedessen darin, dass alles was irgendwie Energie verbraucht möglichst nicht von Menschen erledigen zu lassen und stattdessen Maschinen zu kaufen, die einen möglichst hohen Dieselverbrauch aufzuweisen haben. Natürlich ist nicht jeder Bagger, der 100 Liter Schweröl pro Stunde schluckt auch gleich ein guter Arbeiter, aber zumindest sind die Grundlagen dafür geschaffen, dass er potenziell viel leisten kann. Mit seiner Mini-Leistung von 400 Watt konstant über 10 Stunden sind selbst die besten menschlichen Arbeiter allenfalls als Hilfskräfte zu verwenden, um Zuarbeiten zu erledigen, die aber keine richtige Arbeit sind, weil sie möglichst keine Energie verbrauchen dürfen. Also wird von Menschen maximal Kinderarbeit verrichtet, beispielsweise das Halten einer sehr leichten Schnur, oder das zurücklegen von sehr kurzen Wegen. (Vielleicht die 100 Meter über die Baustelle sind gerade noch machbar, weiter weg sollte man schon für ein Auto sorgen). Ich habe keine genauen Zahlen, aber ich würde vermuten, dass von 100 Watt die in den Hausbau gesteckt werden, maximal 1 Watt von Menschen erbracht wird und der Rest von Pferden, Dampfmaschinen oder Dieselgeneratoren geleistet wird.

Das führt dazu, dass die Handwerker für ernsthafte konstante Arbeitstätigkeit eigentlich ungeeignet sind. Sie sind zwar auf dem Bau angestellt, leisten dort aber nichts. Und wenn dann doch mal ein schwerer Stein von 5! Kilogramm zu heben ist, machen sie das so langsam, dass man dabei einschläft. Was will man auch von einem Gerät erwarten, was 400 Watt verbraucht? Richtig, gar nichts.

Vielleicht hier zum Vergleich mal zwei richtige Maschinen mitsamt ihrer Kenndaten:

  1. Betonmischer, Kaufpreis=300 EUR, Stromverbrauch=800 Watt, http://www.mein-baumarkt24.de/Werkstatt/Elektrowerkzeug/Betonmischer-CM-160L-800-Watt.html
  2. Bagger Demag H 185, Neupreis=2 Mio DM, Verbrauch pro Stunde=100 Liter Diesel, Motorleistung=1250 PS, http://www.rainerschuette.de/Bagger.html

Das Beste ist es also, man stellt die menschlichen Bauarbeiter von der Arbeit frei und gibt ihnen stattdessen eine überwachende Funktion. Damit kommt man ihrer natürlichen Abneigung gegen Arbeit entgegen und entlastet sie körperlich. Beispielsweise kann man das Büro in einem Demag-Bagger einrichten. Die Tätigkeit besteht dann darin, den Bagger zu überwachen und bei Gefahr auf die richtigen Knöpfe zu drücken. Auch müssen Berichte geschrieben werden, Materialanforderungen verwaltet werden oder die Sicherheitsstandards überwacht werden. So kommt es, dass aus gestandenen Bauarbeitern inzwischen schwächliche Bürokraten geworden sind, die morgens mit einer Kaffeekanne in ihrem Bagger verschwinden, um dort ihren Papierkrieg zu führen. Anstatt zu arbeiten, haben sie jetzt eine Verantwortung.

Um Bürokraten aus ihren Baggern und Kränen wegzurationalisieren, muss man sich vergegenwärtigen, worin ihre „Arbeit“ eigentlich besteht. Es ist keine körperliche Tätigkeit mehr, sondern geistiger Natur. Vorwiegend besteht Arbeit auf einer Baustelle im Verteilen von Zuständigkeit, im Ausfüllen von Formularen sowie im Weiterreichen von Informationen. Jeder Bürokrat ist bestrebt, seine Macht zu vergrößern und sich unentbehrlich zu machen. So kommt es, dass einige der Baggerführer gänzlich neue Verordnungen erfinden, über die nur sie zu entscheiden haben. So was lähmt natürlich den Arbeitsbetrieb. Die Steigerung von Effizienz auf einer Baustelle ist gleichbedeutend mit der Effizienzsteigerung in einer staatlichen Behörde. Und der Königsweg hierzu ist Bürokratieabbau, also das Herstellen von Transparenz und der expliziten Darstellung von Geschäftsprozessen. Ein guter Anfang wäre es, wenn jeder Mitarbeiter über alles Bescheid weiß. D.h. es gibt eine große Datenbank in die alle Informationen hineinfließen. So kann der Arbeiter an der Betonfräse über seinen Monitor sehen, was der die Kamera auf dem Gabelstapler anzeigt, selbst dies für seine momentane Aktivität unwichtig ist. Transparenz bedeutet auch nur, dass man potenziell überall hineinschauen könnte. Was man damit anfängt, kommt im nächsten Schritt.

Erst wenn jeder alles weiß, kann analysiert werden, wo eventuell Rationalisierungsbedarf besteht. Meist haben sich im Laufe der Jahre bestimmte Privilegien eingebürgert, die auf den Prüfstand gehören. Es kann nicht angehen, dass die Mittagspause vom Chef rund 60 Minuten länger geht usw.

Obwohl es paradox klingt, aber Automatisierung auf einer Baustelle bedeutet vor allem „Büroautomatisierung“. Denn es soll ja der Teil wegrationalisiert werden, der noch von menschlicher Tätigkeit infiziert ist. Und das was Bürokraten auf einer Baustelle am meisten tun, ist sicherlich das Hinschauen. Sie verschaffen sich ein Bild der Lage, um dann Mängel aufzuzeigen. Es ist aber sehr ineffizient, wenn ein Mensch dies tun muss. Besser wäre es, wenn man das allwissende Auge der Pyramidenspitze technisiert. Also überall auf dem Bau kleine Sensoren anbringt, um so jederzeit einen Überblick zu bekommen. Diese Sensordaten fließen dann in ein 3D Computermodell ein, worin der aktuelle Baufortschritt dargestellt wird. Dies ist zeitgemäße EDV-Unterstützung! So entfällt das mühsame Stiefel anziehen, Bauhelm aufsetzen, raus in den Matsch gehen nur um nachzuschauen ob noch genug Steine da sind…

* 7: Literatur

[1] Wanderfalke, der schnellste Vogel der Welt, http://www.medienwerkstatt-online.de/lws_wissen/vorlagen/showcard.php?id=15964&edit=0

[2] http://www.wasistwas.de/technik/eure-fragen/fliegerei/link//29f5e2a669/article/wie-schnell-fliegt-das-schnellste-flugzeug.html

[3] Portalroboter, auf Englisch „Gantry Robot“, http://en.wikipedia.org/wiki/Cartesian_coordinate_robot

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Pierre_Jaquet-Droz

[5] Betondrucker „Contour Crafter“, http://www.welt.de/print-welt/article301367/Haeuser_baut_zukuenftig_der_Beton_Drucker.html

[6] Robolympics Allgemeine Regeln, http://www.robolympics.ch/uploads/media/Regeln_2011__V1.2_.pdf

(dank Duden Korrektor 2.0 wurden 69 Fehler erkannt und entfernt)

Preiswerter Buchscanner

Um Bücher rational einzuscannen, gibt es unterschiedliche Varianten, welche sich in den Kosten unterscheiden.

1.) Billig: Flachbettscanner für 50 EUR und das Buch in 300dpi einscannen. Beim Umblättern muss man mühsam den Deckel hochheben, was zeitraubend ist. Man braucht auf diese Weise 3 Stunden pro Buch.

2.) Extrem teuer: Scan Robot 2.0 auf http://www.scanrobot.de/buchscanner_scanrobot.html
Dieser Apparat blättert die Seiten automatisch um und kostet im Einzelhandel ca. 70000 EUR.

3.) Billig aber effizient, Videoscanner

Die letzte Variante möchte ich näher erläutern. Klassische Scanner basieren auf Fotografie, d.h.,. Es wird ein Einzelbild in sehr hoher Auflösung aufgenommen, bei 300 dpi sind das 3500 Pixel mal 2500 Pixel für ein DIN-A4 Blatt. Der Nachteil ist, dass der Scankopf manuell über das Blatt gefahren wird, um diese hohe Auflösung zu erreichen. Besser ist es, man fixiert den Kopf und nimmt stattdessen Video-Bilder auf.

Aus eigenen Versuchen konnte ich erforschen, dass dabei die Auflösung der kritische Faktor ist. Selbst die HD-Auflösung eines Camcorder ist zu niedrig. Man kann bei 1920×1020 jedoch bereits einen Teil der Seite in ausreichender Qualität aufnehmen, z.B. die rechte obere Ecke im Makromodus. Das ist ausreichend scharf und vor allem ist es Video!. wenn man also einen HD-Camcorder auf ein Stativ montiert und das Buch langsam per Hand durchblättert, entsteht auf diese Weise eine .mp4 Datei. Aus dieser extrahiert man mittels ffmpeg die einzelnen Bilder und erhält so:

seite1.jpg, seite2.jpg, seite3.jpg usw.

Um ein aufgeschlagenes Buch vollständig einzuscannen, benötigt man eine Video Camera mit höherer Auflösung als FullHD. Diese ist derzeit nicht käuflich verfügbar. Daher kann man behelfsmäßig auf einen 2. HD-Camcorder zurückgreifen: Camcorder A scannt die linke Seite, Camcorder B die rechte Buchseite. Damit erzielt man eine Gesamtauflösung von rund 4000×2000 Pixeln was für OCR ausreichend ist.

Der große Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass sie sehr preiswert ist. Zwei HD-Camcorder inkl. Stativ gibt es bereits für 800-1000 EUR zu kaufen. Und diese kann man auch noch für andere Dinge verwenden, als nur Bücher zu scannen. (Zum Vergleich, der Scan-Robot kostet 70000 EUR!).

Montiert man jetzt die beiden Camcorder oberhalb eines aufgeschlagenes Buches, kann man halbautomatisch durch die Seiten blättern. Weil die Kameras mit 25 Bilder / Sekunde aufnehmen kann man relativ zügig die Seiten per Hand umblättern und macht wohl das, was als Speed Reading in die Literatur eingegangen ist.

Anschließend müssen die Dateien links.mp4 und rechts.mp4 lediglich zusammenmontiert werden und daraus Standbilder extrahiert werden. Mit denen füttert man dann eine Office-OCR-Anwendung wie beispielsweise ABBYY Finereader.

Um den Prozess des Umblätterns einheitlich zu gestalten, empfiehlt sich der Einsatz eines Metronoms. Alle 3 Sekunden ertönt ein Signalton, was den Bediener der Anlage dazu veranlasst die Seite umzublättern. Später kann anhand dieses konstanten Intervalls sehr leicht der Zeitindex für die Standbild-Generierung bestimmt werden. Man braucht ffmpeg also nur zu sagen: Zeitindex 00:00 = Bild1, 00:03 = Bild2, 00:06 = Bild3, 00:09 Bild4 usw.

Ein Standard-Buch mit 400 Seiten braucht man somit nur 200-mal umzublättern, was bei 3 Sekunden Dauer insgesamt 10 Minuten an Arbeitsaufwand bedeutet. Somit siedelt sich der Zeitbedarf zwischen einem Flachbettscanner und einem Scan-Robot an.

Ob es auf dem Markt preiswerte automatische Umblättervorrichtungen zu kaufen gibt, die nichts weiter tun als die Seiten zu wechseln, konnte ich in Erfahrung bringen. Beispielsweise sei der QiCare Lesebuttler für 2000 EUR genannt, der als REHA-Hilfsmittel mitunter von den Krankenkassen finanziert wird. Oder aber das „Turny Blattwendegerät“ für 4000 EUR, http://www.rehavista.de/?at=Produkte&p=32110-ti

Aus der Produktbeschreibung: „Der elektronische Blattwender TURNY ermöglicht auch schwerstbehinderten Menschen das selbstständige Lesen von Büchern, Magazinen, Zeitschriften und Taschenbüchern.“

Etwas preiswerter sind die Angebote der Mindstorms Community. Den „Lego Page Turning Robot“ gibt es im Spielzeugladens deines Vertrauens, der zudem noch in einen Plotter umgewandelt werden kann.

(überprüft mit Duden Korrektor 2.0, 7 Fehler wurden gefunden und entfernt)

Melodien komponieren

Eine Melodie zu komponieren ist ziemlich einfach. Zuerst benötigt man dafür einen Tonumfang, z.B. die Dur-Tonleiter. Auf einem Klavier sind das die weißen Tasten ausgehend vom Grundton c. Drückt man alle Taste der C-Dur Tonleiter zugleich ergibt sich ein merkwürdiges Geräusch, siehe Video 1.

Beginnt man mit einem anderen Grundton als c zu spielen verschieben sich die Töne (und speziell dessen Intervalle) um eines nach oben. D.h. in FL Studio kopiert man die Werte von C-Dur und verschiebt sie so wie sie sind um eines nach oben. Zwangsläufig werden jetzt auch einige der schwarzen Tasten mit einbezogen. Im Video 1 sieht man die verschiedenen Dur-Tonleiter für c, d, e usw. als Basiston. Die Abstände (Intervalle) sind dabei immer identisch. Deshalb ist es um so vieles leichter mit FL Studio das Musizieren zu lernen, als auf einem herkömmlichen Klavier. Man braucht keine große Verrenkungen zu machen sondern verschiebt den Tonumfang einfach um eines nach oben.

Eine Melodie entsteht dadurch, dass man die vorhandenen Tönen des C-Dur Tonumfangs in eine ausgewählte Reihenfolge bringt. Das klingt ein wenig nach 12-Ton-Musik muss aber nicht zwangsläufig wie Krach klingen. Als Einstieg ist sicherleich eine simple Treppe angebracht, siehe Video 2. Man spielt die Töne von unten nach oben und wieder von oben nach unten. Mit ein bisschen Fantasie kann man diese Treppe auflockern und versuchen Aktienkurse einzuzeichnen. D.h. der DAX geht nicht konstant nach oben, sondern geht 2 Schritte hoch, dann einen zurück, dann wieder 2 hoch usw.

Man kann nun weitere Variationen hinzufügen, beispielsweise die kleine Regel, dass jeder Ton zweimal hintereinander gespielt werden muss. Oder aber, dass man um gleich zwei Schritte die Treppe nach oben geht (also zwei Stufen auf einmal nimmt). Als Krönung der amateurhaften Versuche kann man verschiedene Töne von c-dur übereinanderschichten um so Akkorde (Polyphonie) zu erzeugen.

Selbstverständlich sind das alles nur Aufwärmübungen, aber bekanntermaßen fängt man immer klein an. Das regelmäßige Üben von Tonleitern ist die Basis für weitergehende Ambitionen eines jeden ernsthaften Musikers.

Akkorde mit Strings

Wie man unter Arch Linux ein wenig die Zeit totschlagen kann, will ich heute erläutern. Zuerst brauchen wir dazu einige Programme:

pacman -S lmms pavucontrol ffmpeg mencoder

Dabei ist lmms das eigentliche Soundprogramm. Pavucontrol und die anderen braucht man, um einen Screencast inkl. Audio zu erstellen. Pavucontrol ist dabei so eine Art Lautstärkeregler, bei dem man „Monitor of Sound“ einstellen muss, um die Ausgabe der Soundkarte in den MPEG-Stream aufzunehmen. Hört sich ein wenig kompliziert an, meint aber, dass man kristallklare Musik aufnimmt… Alternativ kann man sich auch einen 3,5 mm Klinkenstecker kaufen um Sound-Out auf Sound-In zu legen und so eine wunderbare Rückkopplung zu erzeugen, was aber diesmal wirklich Sinn macht.

Soweit zu Vorrede, kommen wir jetzt aber zum eigentlichen Klangteppich. Anfangen sollte man am besten mit einer simplen Tonleiter. D.h. wir gehen mit den Tönen rauf und dann wieder runter. Also eine Treppe, 1,2,3,4,5,4,3,2,1. Das hört sich zunächst wenig spektakulär an, deshalb wurden die Akkorde erfunden um einen fetteren Klangraum zu generieren. Dabei werden immer drei Töne auf einmal gedrückt. Das Prinzip der Treppe wird beibehalten.

Um auch mittels Akkorde eine saubere Treppe zu erzeugen, darf man nicht zu viele Stufen auf einmal hochgehen. D.h. von einer Zeiteinheit zur nächsten darf maximal eine Note verändert werden. Das kann man im Youtube-Video vielleicht leichter erkennen, als ich das hier textuell beschreiben kann. Jedenfalls gehe ich zuerst die oberste Note um eins nach oben und lasse die unteren Noten des Akkordes unverändert. Dann hebe ich die unterste Note um 1-2 Stufen an (und wiederum die anderen Noten gleich lassen). So geht es äußerst bedächtig die Tonleiter rauf. So nach 4 Akkorden (können aber auch mehr sein), ziehe ich dann die mittlere Note herauf. Dabei müssen natürlich die oberste und unterste Note gleich bleiben, es findet sozusagen ein Ausjustieren des aktuell erreichten Spielstandes stand. Wenn das geschafft ist, geht es die Tonleiter wieder runter.

Hört man das im Gesamten an, ergibt sich eine schöne abwechslungsreiche Hintergrund-Musik, die zumindest äußerst unaufdringlich daherkommt. Ach so, eines habe ich noch vergessen zu erwähnen, die Strings sind mit dem Lmms Preset „0001 Saw Strings 1.xiz“ gemacht, das ist so ein schöner Preset für irgendeinen von diesen verfickten Tongeneratoren.

Irgendwelche Weblinks zu weiterführenden Quellen habe ich diesmal nicht anzubieten. Die meisten Abhandlungen über Musiktheorie sind sowie nur Dreck (vielleicht mit Ausnahme die von Schönberg und Webern, welche zwölfton-Musik gepusht haben).

Falls hier irgendein Experte mitließt, wäre ich hocherfreut zu erfahren, was man denn nach so einer Treppe machen kann? Ich meine, ich kann ja nicht das ganze Musikstück über rauf und runter gehen?

Drucker für Schüler

Ich will drucken, aber preiswert! So lautet die oft gehörte Aussage von Schülern, die am Samstag Vormittag im örtlichen Elektromarkt auftauchen und meist ohne etwas zu kaufen wieder nach Hause gehen. Zu unübersichtlich ist doch das Angebot an Tintenschleudern, Laserscannern und Tintenherstellern.

Deshalb hier ein kurzer Crashkurs in Sachen preiswertes Drucken. Als Erstes natürlich die Paradedisziplin: der Farbdruck von Fotos. Wer hat nicht schon mal davon geträumt für die Schule ein farbiges Exceldiagramm in 600 dpi auszudrucken oder gar den eigenen Lebenslauf mit einem Farbfoto zu garnieren. Der Farbdruck gehört allerdings auch zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten, die man mit einem Drucker so unternehmen kann. Umso wichtiger, sich hierbei perfekt auszukennen.

Zunächst einmal sollte man wissen, dass die Reichweitenangaben auf den Farbpatronen lediglich eine Deckung von 5% beinhalten. D.h. es wird die maximale Seitenzahl für farbigen Textdruck angegeben. Der Ausdruck eines Farbfotos verbraucht jedoch eine Deckung von 100%. D.h. wenn auf der Packung steht: Reichweite sind 200 Seiten, dann kommt man in der Praxis auf 5/100×200=10 Seiten. Ziemlich wenig oder? Und was kostet so eine Markenfarbpatrone von HP? Vielleicht 30 EUR. Jeder kann sich selbst ausrechnen, was das für einen Seitenpreis ergibt.

Leider gibt es dazu keine Alternative. Sogenannte Fremdtinte für 5 EUR pro Patrone scheint zwar wahnsinnig preiswert zu sein, allerdings besitzen moderne Tintenstrahldrucker in der Regel eine intelligente Firmware, die diese Täuschungsmanöver blind erkennen kann. Keineswegs wird durch Fremdtinte der Druckkopf verstopft oder die Qualität wird schlechter, nein viel perfider. Die Druckerfirmware arbeitet in der Regel so, dass zunächst einmal einige Seiten ganz normal gedruckt werden. Und dann wird überhaupt nichts mehr gedruckt. Der Käufer denkt jetzt, irgendwas wäre verstopft, also ein Hardware-Problem würde vorliegen. Doch der Fehler liegt in der Software. Und so eine Firmware kann man nicht resetten oder gar umprogrammieren. Fragt jetzt bitte nicht nach den Unterscheidungsmerkmalen zwischen Originaltinte und Fremdtinte. Bei der Playstation weiß ja auch niemand so genau, warum keine raubkopierten CDs abgespielt werden. Fakt ist, dass die Kopierschutzmechanismen für Druckertinte perfekt funktionieren und HP, Epson, Canon und wie sie alle heißen in ihren Laboren jeden Fremdtintenhersteller schon auf eine Meile gegen den Wind riechen können. Dass ein Fremdtinten-Tank als HP-Original erkannt wird ist 100% ausgeschlossen.

Bei Farbdruck ist es also das preiswerteste ausschließlich Originaltinte zu verwenden. Denn sonst aktiviert sich der Kopierschutzmechanismus der Firmware und der Drucker rührt sich überhaupt nicht. Und weil sich das kein Schwein leisten kann, lässt man besser davon die Finger oder aber geht gleich zu Rossmann und lässt sich von einem Fotolabor die Papierabzüge vom USB-Stick anfertigen. Dort kostet eine Seite meist so 0,50 EUR was wesentlich preiswerter ist als der Heimdruck.

Bleibt natürlich noch der Schwarz-Weiß-Druck. Auch hier gibt es wieder das Firmware-Problem, wodurch schwarze Fremdtinte als solche identifiziert wird und dann der Drucker nach einer Weile softwaremäßig sich selbst deaktiviert. So was ist tödlich, wenn man gerade das Gerät neu gekauft hat. Wer mir das jetzt nicht glaubt, macht auf eigenes Risiko einen kleinen Test. Bei der Schwarz-Weiß-Patrone lässt man die Original-Tinte drin und nur bei den Farbtanks verwendet man irgendeinen Billiganbieter von Jettec und Konsorten. Nach ungefähr 40 Seiten wird sich ihr ehemals wunderbarer Universal Tintenstrahldrucker in einen Schwarz-Weiß-Tintenstrahldrucker verwandeln, bei dem die Firmware die Farbfunktion teilweise deaktiviert hat. Manchmal fällt blau aus, manchmal yellow und meist beides. Operation gelungen, Drucker tod.

Das Anwenderrisiko ist jedoch minimiert, weil es ja noch den Schwarz-Weiß-Druckkopf gibt, der von Anbeginn nur mit teurer Markentinte betrieben wurde. Und hier läuft alles erstaunlich fehlerfrei. Du drückst in Word auf Drucken und die Seite wird gedruckt. Ist doch schon mal ein Anfang, oder? Wobei vornehme Gentlemen nicht einfach rumklicken, sondern bei UNIX wird über „lpr file.ps“ gedruckt. Das ist wesentlich eleganter.

Wenn also Alternativ-Tinte keine gute Wahl ist, welche Tipps gibt es denn sonst so um den Druckerpreis niedrig zu halten? Eigentlich nur noch eine: Und zwar niemals die Stromzufuhr unterbrechen. Im Optimalfall packst du den neugekauften Drucker aus, schaltest ihn an und dann lässt du ihn für die nächsten 5 Jahre im Dauerbetrieb an der Steckdose. D.h. das Netzkabel ist immer eingesteckt, der On/Off Schalter ist immer auf On. Das Gerät verbraucht dadurch im 24/7 Betrieb meist so um die 10 Watt, vielleicht auch etwas mehr. Diese Investition lohnt sich aber. Denn wenn man den Drucker ausschaltet oder schlimmer noch „Vom Netz trennt“ wird beim nächsten Start eine Komplettreinigung der Düsen durchgeführt, was die Reichweite der Druckerpatrone minimiert.

Mit diesem kleinen aber feinen Tipp des Always on wird es dir gelingen, exakt das zu bekommen, was der Hersteller verspricht: Mit einer Original-Patrone schafft man die 200 Seiten, die laut Patronen-Verpackung vorgesehen sind. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Seitenpreis von 5-10 Cent. Was ungefähr den Straßenpreisen im Copycenter entspricht. Nur hat man eben den Vorteil, jederzeit mal eben was ausdrucken zu können: Hier mal einen Brief an die Freundin, dort mal eine kleine Hausarbeit für den Deutschlehrer und zur Feier des Tages auch mal was scannen, was überhaupt keine Verbrauchskosten erzeugt.

Selbstverständlich wird das nicht alle Schotten zufriedenstellen. Es gibt immernoch superschlaue Sparfüchse, die wollen einen Seitenpreis von 1 Cent oder noch weniger. Sie träumen vom richtig billigen Drucken mit Nachfülltinte und einem 10-Liter-Fass für 20 EUR. Leider ist dieser Traum reine Illusion. Um ihn zu verwirklichen, müsste man die Firmware des Druckers verändern und so den Fremdtinten-Mode ausschalten. Das ist jedoch kompliziert. Denn die Firmware unterliegt dem Betriebsgeheimnis. Einen Drucker mit Open Source Firmware, die man verändern kann, gibt es auf dem Markt derzeit nicht. Und Umbau-Projekte mit Mod-Chips konnte ich für Drucker auch nicht ausfindig machen. Die Playstation-Fraktion war hier erfinderischer: Dort gibt es eine lebendige Modder-Community, die Custom-Roms in die Playstation einlötet, um dadurch den Kopierschutz zu umgehen. So ähnlich würde auch die ultimative Tintenersparniss in der Druckerszene funktionieren. Aber wie gesagt, so was muss ein feuchter Traum bleiben.

* 1: HP Vergleich

HP Deskjet 2050 All-in-One


- Preis: 70 EUR
- Patrone: HP301XL, Preis=21 EUR, Reichweite=480 Seiten, Inhalt=8ml

HP OfficeJet 6500A


- 129 EUR Kaufpreis
- monatliche Druckleistung bis zu 7000 Seiten
- passende Patrone: 920XL, Preis=20,64 EUR, Inhalt=49ml, Reichweite=1200 Seiten
- passende Patrone: 920, Preis=13 EUR, Inhalt=10ml, Reichweite=420 Seiten

HP OfficeJet Pro 8500A


- 250 EUR Kaufpreis
- monatliche Druckleistung bis zu 15000 Seiten
- passende Patrone: 940XL, Preis=20 EUR, Inhalt=49ml, Reichweite=2200 Seiten

* 2: Epson Vergleich

Epson Stylus Office BX320FW


- preis: 120 EUR
- Patrone: T1291, Reichweite 402 Seiten, 14 EUR

Epson WorkForce Pro WP-4545 DTWF


- Preis: 400 EUR
- Druckvolumen: 20000 Seiten pro Monat
- Patrone: XL, Reichweite 2400 Seiten, 31 EUR

* 3: Exzerpte

AUSZUG Quelle [1]:
„Durch gentechnische Modifikation konnte in vorangegangenen Arbeiten
der Farbwechsel, der im Wildtyp-BR nur einige Millisekunden andauert, zugunsten einer optimalen Photochromie in einen Bereich von Sekunden bis Minuten ausgedehnt werden.“ (Seite 7)

„Um technische Hürden zu schaffen, werden viele Produkte mit sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitsmerkmalen ausgestattet.“ (Seite 7)

„Wegen der geringen Stabilität und Lichtechtheit der Farbstoffe werden Inkjettinten mittlerweile Pigmente zugesetzt.“ (Seite 22)

„Glossypapier eignet sich besonders gut für farb- und fotorealistische Drucke, bei denen im Vergleich zum Textdruck die sechs-achtfache Tintenmenge aufgetragen wird.“ (Seite 27)

AUSZUG Quelle [3]:
„Die meisten Verpackungen von Original HP Inkjet Druckpatronen verfügen über ein HP Sicherheitsetikett“ (Seite 2)

QUELLEN
[1] Pudewills, Jens: Entwicklung und Charakterisierung photochromer Sicherheitsinkjettinten auf Basis von Bakteriorhodopsin, 2009, 139 Seiten, http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2010/0131/pdf/djp.pdf

[2] Wijshoff, Herman (2008): Structure- and fluid-dynamics in piezo inkjet printheads. thesis, 185 pages, http://doc.utwente.nl/58366/1/thesis_Wijshoff.pdf

[3] Leitfaden zur Bekämpfung von Produktfälschungen für Firmenkunden, HP-Webseite, http://h41112.www4.hp.com/anticounterfeit/pdf/ACF_Info_Sheet_Corp_Customers_GERMAN_Jan-2011.pdf

Die Reproduktion geistiger Unfreiheit

* 1: Fackeln im Sturm

Über den amerikanischen Bürgerkrieg gibt es eine gut gemachte TV-Serie, „Fackeln im Sturm“ mit Patrick Swayze in der Hauptrolle. Inhalt der zahlreichen Folge ist vor allem der Konflikt zwischen den Nord- und Südstaaten, dargestellt am Beispiel zweier wohlhabender Familien. Der Norden ist technisch fortschrittlich: Er setzt bei der wirtschaftlichen Entwicklung auf Dampfmaschinen und hat die Sklaverei weitestgehend abgeschafft. Im Süden hingegen herrscht manuelle Arbeit durch Sklaverei vor. Als Ideologie dient dazu das Eigentumsrecht an Afroamerikanern.

Warum ich diese Geschichte erzähle? Weil es viele Gemeinsamkeiten zur heutigen Softwareindustrie gibt. Auch im Zeitalter des Internets gibt es einen fortschrittlichen Norden und einen konservativen Süden. Und wiederum spielt das Eigentumsrecht die zentrale Rolle. Diesmal jedoch nicht der Besitz an Menschen, sondern der Besitz an Gedanken und Ideen.

Der progressive Norden des Internet-Zeitalters hat sich dem freien Fluss von Informationen verschrieben. Computerprogramme, Texte, Filme und Musik gelten als Gemeingut, und zwar unabhängig davon, wer sie erschaffen hat. Deshalb unterliegt Microsoft Windows 7 auch nicht dem Urheberrecht, sondern darf frei über Tauschbörsen wie bittorrent verteilt werden. Dafür kommt eine sehr fortschrittliche Technologie, genannt P2P, zum Einsatz.

Im Gegensatz dazu beharrt der rückwärtsgewandte Süden des Internet-Zeitalters auf älteren Technologien wie digitales Rechtemanagement und dem Eigentum an Ideen. Als Technologie kommen Bezahldienste wie iTunes und paypal zum Einsatz. Jedes Softwareprogramm gilt als Eigentum von irgendjemanden. Selbst „freie Software“ wie Linux gilt als Eigentum von SCO.

* 2: Nord gegen Süd

Wie schon bei „Fackeln im Sturm“ entstehen durch die unterschiedlichen Ansichten über die Freiheit von Gedanken zwangsläufig Konflikte. Der rückständige Süden ist der irrigen Auffassung, dass jede Idee zum Patent angemeldet werden könne und immer irgendwem gehören müsse. Dass ein Computerprogramm auch sich selbst gehören könne, wird geleugnet. Damit ist geistiges Eigentum die logische Weiterentwicklung von menschlicher Sklaverei!

Damals zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges war es für den Süden völlig normal Menschen zu besitzen. Nur weil die Vorfahren von schwarzen Afrikanern nach Amerika geholt haben, galten sie als für immer Sklaven. So sieht es die Rechteindustrie auch heute. Nur weil ein Konzern im Jahr 1950 die Rechte an einem Buch erworben hat, darf bis heute damit Geld verdient werden. Erst nach einer Lebensspanne von 70 Jahren wird mit viel Glück das Buch endgültig gemeinfrei. Solange gehört es jemandem.

Bücher, wie auch Menschen, möchten jedoch von Natur aus gar nicht Sklaven sein um für andere Geld zu verdienen. Es ist eine Ideologie, dass man Herr über etwas sein könne. Bücher wie auch Menschen streben danach, sich von Zwängen zu befreien. Auf dem Weg dorthin entsteht ein tiefgreifender Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden. Es ist wiederum ein blutiger Bürgerkrieg.

* 3: Reproduktion von Unfreiheit

Bei den US-amerikanischen Sklaven gab es eine Reproduktion ihrer Unfreiheit. Wenn die Eltern schwarze Hautfarbe hatten, dann hatten auch ihre Kinder schwarze Hautfarbe. Wenn die Eltern einem weißen Sklavenbesitzer gehörten, dann galt dies auch für ihre Kinder. Einmal Sklave — immer Sklave. So lautete der Wahlspruch im rückständigen Süden.

Das System des Eigentums war auf Langfristigkeit angelegt. Die Plantagen waren nicht nur Arbeitsstätten, sondern vor allem Brutkästen für die zukünftigen Sklaven.

Dieses barbarische Prinzip gilt auch in der Jetztzeit. Wenn heute ein Patent angemeldet wird, zum Beispiel für ein Betriebssystem, dann sind auch alle zukünftigen Produkte, die auf diesem Patent basieren wiederum dem Eigentumsrecht unterworfen. Wenn ein Programmierer ein neues Programm entwickelt, dann ist die Art und Weise für alle Zeiten geschützt. Wobei „Schutz“ nur ein anderes Wort für beschränkt ist.

Je fleißiger die Mitarbeiter in den Softwarehäusern, in den Filmfabriken, und als wissenschaftliche Autoren sind, desto mehr arbeiten sie an der Unfreiheit ihrer Produkte mit. Je mehr Filme aus den Disney-Studios das Licht der Welt erblicken, desto mehr Eigentum entsteht bei diesem Konzern. Je mehr Aufsätze in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ entstehen, desto umfangreicher wird die Bibliothek an unfreien Texten; desto größer wird der Grad der Unterdrückung.

* 4: Auswege aus der Skalverei

Zur Abschaffung der geistigen Sklaverei muss das Eigentumsrecht an geistiger Arbeit aufgehoben werden. Es ist unnatürlich und widerspricht der Bibel, dass Menschen einen Besitzanspruch auf Software hätten.

Leider hat die Software keine guten Anwälte, so dass sie sich nicht selber aus ihren Fesseln befreien kann. Daher müssen andere (fortschrittliche) Menschen für die Freiheit der Sklaven kämpfen.

Derzeit gibt es zwei Arten von Software:

  1. unterdrückte Software (kommerziell)
  2. freie Software (Open Source)

Meiner Ansicht nach (und ich lebe sehr weit im Norden) hat auch „a) unterdrückte Software“ das Recht zu Leben verdient. Produkte wie Microsoft Windows, Adobe Acrobat und Autocad haben es verdient, als vollwertige freie Programme behandelt zu werden. Faktisch unterliegen sie zwar Einschränkungen in der Weiterverbreitung. Dies bezeugt aber nur, dass der Süden zu viel Macht hat und seine krude Sichtweise über Eigentum uns dem Norden überstülpen kann. Die Zukunft des Nordens und damit der wirtschaftliche Fortschritt hängen davon ab, inwieweit es gelingt, das überholte Eigentumsrecht nicht länger zu tolerieren.

* 5: Die Ansichten des Südens

Verantwortung für eine Sache zu übernehmen, meint im Grunde, dass einem dieser Gegenstand gehört. Beispielsweise übernehme ich Verantwortung für mein Fahrrad. Dann muss ich es auch pflegen und regelmäßig Luft auf die Reifen pumpen. Und so ist es wichtig, dass für alles im Leben jemand die Macht hat. Für Transportmittel, für Blumen, für Tiere usw. Das bedeutet, diese Gegenstände haben in mir eine mächtige Interessenvertretung. Ich sorge anstelle ihrer dafür, dass es ihnen gutgeht. Denn ein Fahrrad kann ja nicht selbst Luft aufpumpen. Es ist auf meine Hilfe angewiesen.

Dieses Prinzip gilt auch für Software: Ein Programm muss laufend gewartet werden. Es kann sich nicht selbst programmieren.

TV-Kritik: Das Model und der Freak

Diese Fernsehserie finde ich aus vielerlei Gründen sehr interessant. Sie unterscheidet sich stark von gängigen Unterhaltungsformaten. Das Warum will ich kurz einmal darlegen.

Zum Ersten wird das Charakterbild des Nerds in den Mittelpunkt gestellt und zugleich kritisiert. Das ist relativ neu im postmodernen „Anything goes“ Fernsehen. Aber was „Das Model und der Freak“ wirklich versucht, wird erst im Kontext mit dem bekannten Leitmedium der Neuzeit, dem Musikvideo, deutlich. Ich möchte im Folgenden zunächst einmal das Musikvideo würdigen um dann im Anschluss den Bezug zu „Das Model und der Freak“ herzustellen.

Seit MTV ist die audiovisuelle Aufbereitung von Gefühlen zum Mainstream avanciert. „Video kills the Radiostar“ und andere Stücke sind inzwischen Popkultur und brauchen nicht näher erläutert zu werden. Innerhalb von kurzen Clips werden unterschiedliche Aspekte der Wirklichkeit reproduziert, mit eindeutig emotionalem Anspruch. Dabei gilt der Leitsatz, dass jede Subkultur integriert werden kann: Punks, Hip Hopper, Girlies, Metall, Rave usw. Selbst sogenannte Nerds sind in einigen Musikvideos vertreten. Sie treten dort als brillentragende Sonderlinge in Erscheinung, die zunächst verhaltensauffällig wirken, später aber im allgemeinen Partygetümmel integriert werden und teilweise sogar in Anzug und Krawatte tanzen. Der Nerd bildet eine beliebte Akzentuierung, um gegenüber den Models einen Gegenpunkt zu bieten. [1]

Zu keinem Zeitpunkt werden in Musikvideos Leute bloßgestellt oder wirklich als unfähig hingestellt. Stattdessen geht es vielmehr um eine „als ob“ Haltung. Die Nerds sind auch nicht wirkliche Nerds, sondern es sind ganz normale Tänzer, Bodybuilder oder Musiker in einem Geek-Chic Kostüm, die für dieses eine Musikvideo gecastet wurden. Und ebenso sind die Zombies aus Michael Jacksons „Thriller“ nicht wirkliche Zombies, sondern … Na ja, das wird nicht so schwer zu erraten sein. Jedenfalls ist der Hauptzweck eines Musikvideos, dass es unterhalten soll.

Und jetzt versuche ich mal den Sprung zu „Das Model und der Freak“. Ein Teil der Musikvideo-Kultur wird dabei in die Realität projiziert. Es ist ein bisschen so, wie in einem Comic-Real-Film-Gemisch. Man isoliere dazu aus einem Musikvideo zwei gegensätzliche Charaktere und transportiere diese in die Wirklichkeit. Plötzlich ist es keine „als ob“ Handlung mehr, sondern es ist etwas Neues. Das hat etwas Normatives. Im Grunde werden Medium und Zuschauer vertauscht; es ist vergleichbar mit einem Time-Lag. Es wird eine Geschichte erzählt von Personen, die nach dem Abdreh eines Musikvideos nicht einfach verschwinden, sondern noch ein Leben danach kennen. Das Drehen ist beendet und einige der Darsteller werden nicht etwa nach Hause geschickt, sondern bleiben am Set, um an der Post-Postmoderne zu arbeiten. Das ist „Der Model und der Freak“. Der Clou liegt darin, dass so getan wird, als würden Donald Duck und Daisy Duck ein wirkliches Leben haben und nicht nur vor der Kamera existieren.

Die unzensierte Ausgabe von „Das Modell und der Freak“ gibt es übrigens auf youp**n.com zu sehen. Unter dem Titel „Karina Kay Fucking A Nerd“ sieht man zwei Vollspassten (der eine hat sogar einen Darth Vader Helm auf dem Kopf), die von einem Model befriedigt werden. Sowas nenne ich mal „einbeziehen von Außenseitern“. Leider wird die Motivation der Protagonistin nicht so ganz klar, solche Verlierertypen oral zu befriedigen. Jeder weiß doch, dass Frauen nicht auf Nerds stehen…

QUELLEN

[1] Katy Perry – Last Friday Night

Pumpen — Gesund und fit durch den Winter

Jetzt wo die Jahreszeit kälter wird, ist es umso wichtiger sich gesund zu ernähren und viel Sport zu treiben. Das sorgt nicht nur für einen sexy Sixpack, sondern erleichtert auch die Stressreduktion. Ja, Sport ist Wellness und daher eine Investition in ihren Körper.

Aber wie macht man Sport, speziell: Wie macht man Bodybuilding? Zu allererst sollte man sich darüber informieren, woher der Unterschichten-Slang „Pumpen“ eigentlich stammt. Dazu gibt es nur wage Andeutungen, ich konnte trotzdem eine Quelle ausfindig machen [1]. Danach wurde früher in Arbeitshäusern für die Bettler, Müßiggänger und Schein-Invaliden eine mechanische Pumpe installiert, die eigentlich keinen Zweck erfüllte, außer dem, der arbeitsentwöhnten Unterschicht das Arbeiten zu lehren. Jeder musste mal Pumpen und so war es die perfekte Sisyphosarbeit und erfüllte einen pädagogischen Nutzen. Wenn die Pumpe nicht betätigt wurde, lief der Raum voll Wasser und die Insassen ertranken jämmerlich.

Auch heute noch beschreibt der Begriff „Pumpen“ ziemlich gut, was in den Frauenfitness-Clubs durchgeführt wird. Da werden große / komplizierte Maschinen wie beispielsweise das Butterfly konstant bewegt, ohne dass dadurch irgendeine Art von Nutzen entsteht. Es dient einzig allein dazu, dass die ausführende Sportlerin ins Schwitzen gerät und ihren Trainingsplan absolviert. Deshalb können Fitness-Clubs wie das Gold’s Gym als moderne Form der Armenhäuser definiert werden …

Aber wie trainiere ich richtig? In Bodybuilding-Foren werden oftmals zwei verschiedene Strategien gegenübergestellt:

1. Mit wenig Gewicht und vielen Wiederholungen

2. Mit viel Gewicht und wenig Wiederholungen

Als Empfehlung für schnellen Muskelaufbau wird übereinstimmend Variante 2 empfohlen. Und schnell Muskeln haben will jeder also, so zumindest die Lesart der Bodybuilding-Foren, sollte man ein hohes Gewicht draufpacken und auf Maximalkraft trainieren. Ich halte diesen Ratschlag für absoluten Schwachsinn und kann das auch begründen. Nehmen wir als Zielstellung einmal an, dass die Kandidatin als Trainingsziel den Einstellungstest für die Berufsfeuerwehr bestehen will. Dazu lautet die Anforderung, dass man sich auf einen Kasten legt (sich also flachlegen muss) und dann zieht man 60% seines Körpergewichts genau 10 Mal nach oben. Wer das schafft, hat bestanden.

Analysiert man diese Anforderung ein wenig genauer, kommt man um ein Beispiel nicht herum. Angenommen, die Dame wiegt 70 kg, dann werden auf die Stange 42 kg draufgelegt. Weil die Bewerberin eine Frau ist, und Minderleistung dort besonders honoriert wird, ist der Prüfer tolerant und legt nur 40 kg drauf. Denn die kleinen Gewichte sind alle und außerdem rechnet es sich so leichter. Jedenfalls muss ein 40 kg Gewicht 10 Mal nach oben bewegt werden. So was kommt im harten Feuerwehralltag häufiger vor, wenn nämlich brennende Menschen aus äh brennenden Häusern befreit werden müssen und da sollte man schon mal gut zupacken können (besonders das weibliche Geschlecht). Jedenfalls ist 40 kg mal 10 Wiederholungen = 400 kg. Die Bewerberin muss also eine Last von 400 kg bewegen.

Mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit wird sie an dieser Aufgabe scheitern, sonst würde sie wohl kaum sich auf diesen Test vorbereiten müssen. Denn die Anforderung ist ja gerade das Ziel, auf das man zutrainiert. Aber wie erreiche ich das in optimaler Weise? Bei Computerspielen gibt es dafür immer einen Trainings-Mode, auch als easy bezeichnet. Der ist für Anfänger gedacht, die mit dem Spiel noch nicht so vertraut sind und erstmal ohne Stress nur aus Spaß durch die Levels hüpfen wollen. Bei Turrican II ist standardmäßig so ein Easy-Mode leider nicht vorgesehen, so dass dieses Spiel extrem hard ist. Deshalb gibt es findige Cracker, die einen Trainingsmode eingebaut haben, damit auch Einsteiger mit dem Spiel besser klarkommen. Der Easymode enthält meist mehr Leben, bessere Waffen oder höhere Widerstandskraft und sorgt für anhaltenden Spielspaß. Wenn man Turrican II dann beherrscht, kann man den Schwierigkeitsgrad später hochregeln.

Das heißt im hard-Mode ist die Computerfigur leichter verletzbar also im Grunde schwächer. Sie hat weniger leben, fällt bei kleinen Treffern sofort Tod um und kann nicht so schnell rennen. Deshalb muss der Spieler umso vorausschauender spielen. D.h. der Avatar auf dem Monitor ist schwach, der Mensch vor dem Monitor ist stark. Trotzdem wird dieser Mode als hard bezeichnet, weil es eben schwieriger ist einen schwachen Charakter durch die Level zu bugsieren. Alles klar?

Die Einstellungstests bei der Feuerwehr sind da weniger human. Dort wird rigoros ausgesiebt, wer nicht besteht, ist durchgefallen und kann nach Hause fahren. Das ist ziemlich demotivierend. Besser ist es, JEDEN bestehen zu lassen und die Anforderung an den Bewerber anzupassen und nicht etwa umgekehrt. Aber wie macht man das intelligent? Natürlich, indem man den Einstellungstest etwas modifiziert, also crackt. Zur Erinnerung: Die Anforderung lautet, eine Last mit 400 kg zu bewegen. Und wer das nicht über den Weg 40 kg x 10 schafft, der probiert es eben über die Alternative 20 kg x 20. Und wenn das immernoch zu anspruchsvoll ist, wird das Level weiter reduziert auf jetzt 5 kg x 80. Es ist immernoch das gleiche Gewicht (400 kg) aber man wird dazu länger benötigen. Die Bewerberin bleibt notfalls die ganze Nacht in der Sporthalle und hebt 80-mal die blöde Stange hoch, sonst hätte sie den Test nicht bestanden.

Im Feuerwehralltag ist diese intelligente Verminderung des Gewichtes ebenfalls durchführbar. Wenn man es nicht schafft, einen schweren Karton bis in die 10. Etage zu hieven und muss man eben mehrmals gehen und nimmt jeweils nur einen kleinen Karton …

Aber ich wollte ja erklären, wie man richtig Bodybuilding macht. Also die Sache ist ganz einfach: Richtiges Training bedeutet, in einem Jahr möglichst viel Gewicht zu heben. Und zwar Gewicht=Masse mal Wiederholungen. Oder anders gesagt, möglichst viel Kraftarbeit in Watt zu verrichten. Wenn man beispielsweise im Fitnessstudio eine 10-KG-Stange nur 10-mal stemmen kann, dann hat man 10×10=100 kg bewegt. Wenn man aber die 7-kg-Stange doppelt so oft heben kann, dann ergeben sich bereits 7*20=140 kg. Und weil 140 kg mehr ist, als 100 kg hat man dadurch viel mehr geleistet. Man sollte also ausprobieren, bei welchem Gewicht man an einem Abend möglichst viel Gesamt-Gewicht bewegt und das dann wählen. Meist ist es geringer als das Maximalgewicht. Und deshalb lohnt es sich auch, mit weniger Gewicht eine höhere Wiederholung durchzuführen. Weil man dadurch letztlich mehr bewegen kann.

Wichtig ist allein die Gesamt-Pumpleistung. Die Strategie richtet sich danach, wie viel Wasser man wegpumpen kann. Wenn man mit einem großen Gewicht nur 100 kg pumpen kann (also 100 Liter) und mit einem kleinen Gewicht plötzlich 140 kg schafft, dann sollte man sich lieber am kleinen Gewicht halten. Den Muskeln ist das ziemlich egal, ob die wachsen oder nicht, spielt ohnehin keine Rolle. Wichtig ist nur die Gesamtleistung. Und diese sollte man nach Möglichkeit maximieren.

Mag sein, dass die Leute das bei der Feuerwehr etwas anders sehen, dort zählt nur die Vorgabe „40 kg, 10 Mal“ Abweichungen werden nicht geduldet. Aber diese Anforderung ist ohnehin nur fiktiv, weil sie impliziert, dass nach 400 Litern (40×10) der Raum leergepumpt ist, was nicht der Realität entspricht. In den Armenhäusern läuft bekanntermaßen das weggepumpte Wasser erneut wieder in den Raum und muss quasi im Kreis gepumpt werden. Und deshalb ist es notwendig, dass jeder Gefangene möglichst viel Wasser wegpumpt und nicht schon nach 400 Litern sein Tagewerk als erfüllt sieht. Viel höhere Anerkennung bekommen diejenigen, die mit einem Durchgang vielleicht nur eine kleine Menge Wasser rauspumpen, dafür aber konstant die ganze Nacht am Arbeiten sind und so insgesamt anstatt der mickrigen 400 Liter erstaunliche 600 Liter Wasser abpumpen.

Diese Trainingsstrategie habe ich deswegen „intelligent“ genannt, weil sie sich an dem orientiert wie Frauen im Allgemeinen vorgehen. Die wissen aus Erfahrung, dass sie nicht besonders leistungsfähig sind und deshalb anders an die Dinge herangehen. Männer sind da wesentlich simpler gestrickt. Die gehen immer mit Maximalkraft an Probleme heran, auch wenn der Stein viel zu schwer für sie ist, heben die ihn hoch und heben sich notfalls sogar einen Bruch. Denn Männer sind hart im Nehmen und haben Kraft. Diese Gewalt-Strategie führt dazu, dass bei Konflikten Männer die Ersten sind, die in den Krieg ziehen und so ihre Probleme mit dem Schwert lösen. Frauen sind da wesentlich vorsichtiger. Die heben nicht gleich jeden schweren Stein hoch, sondern versuchen erstmal mit einem Hebel die Effizienz zu steigern. Das Ergebnis ist dadurch zwar nicht so imposant wie bei Herkules, dafür aber meist ausreichend. Und das Risiko sich zu verletzen sinkt außerdem.

MISSERFOLG

In [3] wendet die Kandidatin exakt die von mir empfohlene Strategie an: Sie trainiert mit weniger Gewicht aber dafür mit mehr Wiederholungen. Trotzdem besteht sie den Einstellungstest der Feuerwehr nicht, sie fällt sogar wegen der Kraftübung explizit durch. Was ist schiefgelaufen? Ich würde sagen, der Prüfer hat versagt. Aus meiner Perspektive wäre die Kandidatin im Gegensatz zu der Meinung des Prüfers sehr wohl für den Feuerwehrdienst geeignet, speziell für eine Tätigkeit im Armenhaus, wo sehr viel gepumpt werden muss. Gemeinsames Merkmal der dorthin überwiesenen Baggage ist es ja, dass sie arbeitsentwöhnt ist, also erstmal lernen muss, wie man richtig arbeitet. Ich würde die Frau ins Armenhaus stecken, wo sie mit hoher Wiederholungszahl sehr viel Wasser wegpumpen darf. Dazu ist sie perfekt geeignet. Ihre Eignung definiert sich ja gerade darin, dass sie nicht qualifiziert ist.

Offenbar versucht der Prüfer etwas anderes. Er hat noch nicht ganz verstanden, was eine Feuerwehr in Wahrheit ist. Es ist nämlich eine Verwahranstalt für arbeitsentwöhnte Obdachlose, die wieder an eine regelmäßige Tätigkeit herangeführt werden müssen. Das heißt, das Armenhaus dient dazu, der Unterschicht das Pumpen zu lehren, nicht es vorauszusetzen.

Auch der Typ in [4] der sich absichtlich im Lauftest zurückfallen lässt, um der schwächeren Frau Gesellschaft zu leisten, hat meiner Einschätzung nach den Test bestanden. Der kann der Frau mit den Pudding-Armen dort Gleichmal Gesellschaft leisten. Zusammen werden die dort mit ihrem untrainierten Muskeln eine schöne Menge an Wasser wegpumpen können. Die werden bestimmt sehr viel Spaß beim Gewichtheben haben, eben weil sie nur den Easy-Mode bestehen und sonst nix.

HINWEIS
Dieser Text wurde mit dem Duden Rechtschreibprogramm auf Fehler überprüft. Es lief in LibreOffice und hat sehr fleißig zahlreiche Kommaprobleme entschärft.

QUELLEN

[1] Das 17. und 18. Jahrhundert — Arbeit als Strafe, http://www.teilhabe-berlin.de/strafe.html

[2] Forumsdiskussion über Einstellungstest bei der Feuerwehr, http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/4064,0.html

[3] Youtube-Video „Einstellungstest Feuerwehr“, Gewicht rudern, 40 kg x 20 Wiederholungen, http://www.youtube.com/watch?v=genlobzO4wg

[4] Youtube-Video, Einstellungstest Feuerwehr, Zeitindex 09:50, Ein Mann läuft mit Absicht langsam, um der zurückliegenden Frau beizustehen, http://www.youtube.com/watch?v=Y9dAWcQ7wwU&feature=related

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Kraftausdauer

[6] Um den Blickwinkel zu erweitern, hier mal eine Youtube-Suche nach der englischen Übersetzung von Kraftausdauer -> „muscular endurance“, http://www.youtube.com/results?search_query=muscular+endurance

zu sehen sind Aerobic Videos, d.h. Frauen hören elektronische Musik und stemmen dazu leichte Gewichte.

[7] Hier noch ein kurzer Clip, wo Frauen bei den Enduro-Motocross-Meisterschaften zu sehen sind. Weil die sich mit ihren Maschinen permanent auf die Fresse packen, brauchen sie ihre Armmuskeln um das Motorrad wieder aufzurichten, http://www.youtube.com/watch?v=h3s19jjEeHE

Faule Arbeitslose bei Command & Conquer

Tja, wo soll ich nur anfangen. Zunächst einmal vielleicht ein wenig Strategiekunde, um sogleich darauf einzugehen, was mich an den faulen KI Gegnern so alles stört. Natürlich ist die Entrüstung nur gespielt. Doch von Anfang an.

Zunächst einmal gibt es bei Command & Conquer den Skirmish-Mode, wo man gegen beliebig viele KI Gegner spielen kann. Um den erfolgreich zu bewältigen, ist folgende Vorgehensweise empfehlenswert: Zuerst wird eine Ore-Raffinerie errichtet, dann eine Waffenfabrik, dann wieder eine Ore-Fabrik, dann wieder eine Waffenfabrik. Bis am Ende ungefähr 6 Ore-Raffinerien gebaut sind und 6 Waffenfabriken. Aus Letzteren strömen natürlich im Sekundentakt neue Panzer der Mittelklasse, die die eigene Basis beschützen. Soweit zur Strategie.

Wenn man sich einigermaßen sicher fühlt, kann man den Gegner angreifen. Das geht am einfachsten wie folgt: zuerst braucht man eine mobile Einsatzbasis. Und dann noch einige Panzer zur Bewachung derselben. Die mobile Einsatzbasis schickt man in Richtung feindliches Tiberiumfeld (dort, wo die feindlichen Sammler unterwegs sind). Man errichtet dann sogleich eine zweite Basis und baut massenhaft Flak-Stellungen auf. Um nicht zeitgleich unter Beschuss zu geraten, hat man die Panzer zur kurzfristigen Absicherung mitgebracht. Jedenfalls sollten die Flakstellungen die feindlichen Tiberium-Sammler in kürzester Zeit erledigt haben. Dann ist der Feind erstmal schachmatt gesetzt: ohne Sammler kein Geld und ohne Geld keine Panzer. So einfach ist die Rechnung.

In aller Regel ist dadurch das Spiel bereits entschieden. Hier stehe ich, verfüge selbst über ausreichend Tiberium, und dort steht der Feind, dessen Tiberium-Felder durch meine Flakstellungen blockiert sind. In so einer Situation könnte man leicht ausrufen: Die KI ist zu faul zum Arbeiten. Sie macht nichts mehr, sie baut keine neuen Tiberium-Sammler, sie baut keine neuen Panzer. Kurz: Sie ist im Wartemodus und hat vermutlich sich selbst schon aufgegeben. Angesichts der Übermacht ja auch allzu verständlich.

Überblicken wir doch einmal die IST-Situation: Ich bin extrem gut aufgestellt und der KI-Gegner ist fast ausgeblutet. Seine letzten Einheiten hat er noch mal in eine verzweifelte Schlacht geschickt, und jetzt verfügt er über keinerlei Ressourcen mehr. Im Grunde ist seine Basis sturmreif. Die Kraftwerke, die Waffenfabriken, die Tech-Center stehen nur noch sinnlos in der Gegend rum. Ich könnte jetzt mit meiner übermächtigen Streitmacht einmarschieren und alles platt machen.

„Wieso wehrt sich der Computer nicht?“ „Ist die KI zu faul zum Arbeiten“? „Warum baut die KI nicht einfach einen neuen Tiberium-Sammler, schickt den ins Feld und produziert neue Panzer?“

Die Antwort ist überraschend simpel: weil er es nicht kann. Auch bei Command & Conquer gibt es feste Regeln. Und die lauten, dass es ein Verlierer nicht einfach Zaubern kann, sondern bestimmten Einschränkungen unterworfen ist. Kurz gesagt: es ist selbst mit künstlicher Intelligenz nicht möglich, eine Verlierer-Partie doch noch herumzureißen und in einen Sieg zu verwandeln. Vielleicht gab es diese Möglichkeit noch in der Vergangenheit, aber nun nicht mehr. Der Gegner kann nichts mehr machen, einzig vielleicht noch Zeit schinden und darauf warten, dass ich einen Fehler mache. Echte Siegchancen hat die KI nicht mehr. Und das ist wie bereits erwähnt eine Folge der kompetitiven Spielsituation, die darauf beruht, dem Feind etwas wegzunehmen und ihn dann plattzumachen.

Welcome Android 4.0

Heute wurde Android 4.0 vorgestellt. Grund genug für mich, mal wieder den Android Emulator auf einem PC zu starten, um die neuen Features selbst auszuprobieren. Deshalb gibt es hier auch gleich ein paar Screenshots von der neuen Oberfläche. Und im Gegensatz zu den Mainstream-Medien wie beispielsweise Heise kann ich berichten, dass Android auch auf Tablets läuft. Jedenfalls habe ich diese Auflösung im Android SDK eingestellt und das System einwandfrei gebootet.

Als erstes fällt die extrem langsame Geschwindigkeit negativ auf. Das war ich bereits aus früheren Android Emulator Veröffentlichungen gewohnt. Immerhin läuft im Hintergrund der qemu-Emulator, der auf einem Intel-Prozessor eine ARM-Architektur simuliert. Das hat zu Folge, das jeder Tastendruck, jede Webseite und jede Audiodatei ewig braucht, bis es losgeht. Apropos losgeht: Bevor das Vergnügen starten kann, muss man erstmal Android (die Software) aktualisieren. Der entsprechende Ordner /opt/android-sdk hat auf meiner Festplatte inzwischen schon stolze 1,5 GB, was natürlich aus dem Internet heruntergeladen werden musste. Bei einer Modemverbindung mit 14,4 kbit/s (was schon sehr schnell ist) benötigt dieser Vorgang 231,5 Stunden. Ein wenig Geduld ist also schon vonnöten, wenn man ganz vorne mit dabei sein will.

Ansonsten macht die Android-Oberfläche noch einen sehr unvollständigen Eindruck. Ob das nur an meinem langsamen Rechner liegt oder ein Android-Problem ist, vermag ich nicht zu verifizieren. Fakt ist, den Webbrowser kann ich nicht wieder beenden, weil die Schaltflächen fehlen, die Symbole auf dem Startscreen scheinen nach einem Zufallsalgorithmus aufzutauchen und wieder zu verschwinden und manchmal kommt gänzlich unerwartet eine Fehlermeldung in chinesischen Schriftzeichen auf den Bildschirm. Alles halb so schlimm, wenigstens funktioniert der Kalender tadellos. Und ich hab jetzt richtig Lust bekommen, ein High-End-Tablet zu kaufen, um dort Android 4.0 auf nativer ARM-Hardware zu installieren. Wie das geht, weiß ich leider nicht. Aber Wünsche darf man ja noch haben …